😲WOW! · Fakten zum Staunen
Acht Dinge über das Weltall, die stimmen und die trotzdem kaum jemand glaubt.
Seite 8 · Fakt 1
Das schnellste Objekt der Welt
Die Parker Solar Probe der NASA ist das schnellste je gebaute Objekt. Bei ihrer bisher engsten Sonnenannäherung erreichte sie rund 700 000 Kilometer pro Stunde; die NASA gibt dieselbe Zahl als 430 000 Meilen pro Stunde an. Bei einem Erdumfang von 40 075 Kilometern sind das gut 17 Erdumrundungen in einer Stunde. Diese Geschwindigkeit gilt nur im Perihel, dem sonnennächsten Punkt; dazwischen ist die Sonde deutlich langsamer. Gestartet ist sie 2018, ihre Hitzeschild-Vorderseite hält rund 1 400 Grad aus, während die Instrumente dahinter bei etwa Zimmertemperatur arbeiten. Wenn Sie ein früheres Exemplar in der Hand halten: Dort stehen 430.000 Kilometer pro Stunde und 15 Erdumrundungen. Das war die Meilenzahl mit der falschen Einheit; die Angaben oben sind die richtigen.
Quelle: NASA, Missionsseite Parker Solar Probe: Rekordgeschwindigkeit rund 430 000 mph, entsprechend etwa 700 000 km/h, jeweils im sonnennaechsten Punkt.
QR-Code gemeinfrei · NASA
Seite 9 · Fakt 2
Der Planet, der schwimmen kann
Saturn hat die geringste mittlere Dichte aller Planeten des Sonnensystems, rund 0,69 Gramm pro Kubikzentimeter. Wasser hat 1,0. Rechnerisch würde Saturn also aufschwimmen. Das Bild von der Badewanne ist in der Astronomie ein gängiges Anschauungsmittel und stammt nicht aus einem Experiment: Eine Wanne dieser Größe gibt es nicht, und Saturn hätte in ihr auch keinen Bestand, weil er kein fester Körper ist. Der Vergleich sagt genau eines, und das stimmt: Saturn ist für seine Größe erstaunlich leicht.
Quelle: NASA Planetary Fact Sheet: mittlere Dichte des Saturn 0,687 g/cm³, Wasser 1,0 g/cm³.
Seite 10 · Fakt 3
Die größte Wasserwolke im All
2011 fanden zwei Forschungsgruppen um den Quasar APM 08279+5255 die größte und fernste bekannte Wasseransammlung des Alls: Wasserdampf mit rund dem 140 Billionenfachen des Wassers aller Erdmeere, verteilt über Hunderte Lichtjahre. Der Quasar liegt über zwölf Milliarden Lichtjahre entfernt; wir sehen ihn also, wie er 1,6 Milliarden Jahre nach dem Urknall aussah. Gemessen wurde mit dem Z-Spec-Instrument am Caltech Submillimeter Observatory und mit CARMA. Wichtig für Rückfragen: Es ist Dampf, kein Ozean, und er ist sehr dünn verteilt.
Quelle: NASA/JPL, Pressemitteilung vom 22.07.2011: groesstes und fernstes bekanntes Wasserreservoir am Quasar APM 08279+5255, rund das 140-Billionenfache des Wassers aller Erdmeere, ueber 12 Milliarden Lichtjahre entfernt. Gemessen mit Z-Spec am Caltech Submillimeter Observatory und mit CARMA.
Seite 11 · Fakt 4
Ein Löffel so schwer wie ein Berg
Neutronensterne entstehen, wenn ein massereicher Stern am Ende seines Lebens in sich zusammenfällt. Was bleibt, ist eine Kugel von etwa zwanzig Kilometern Durchmesser mit ungefähr der Masse unserer Sonne. Die Dichte entspricht der eines Atomkerns. Ein Teelöffel dieses Materials wöge auf der Erde in der Tat Hunderte Millionen bis mehrere Milliarden Tonnen — die Angaben schwanken je nachdem, ob man die äußere Kruste oder den Kern rechnet. Die im Buch genannte Milliarde Tonnen liegt in diesem Rahmen.
Quelle: Standardwerte der Neutronensternphysik: Durchmesser rund 20 km bei etwa einer Sonnenmasse; Dichte in der Groessenordnung eines Atomkerns. Die Teeloeffel-Angabe schwankt je nach Bezugstiefe zwischen Hunderten Millionen und mehreren Milliarden Tonnen.
Seite 12 · Fakt 5
Auf dem Mond ist es eiskalt
Der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA hat in dauerhaft beschatteten Kratern nahe dem Südpol des Mondes Temperaturen von rund minus 240 Grad gemessen. Diese Böden haben seit Milliarden Jahren kein Sonnenlicht gesehen und gehören zu den kältesten bekannten Orten des Sonnensystems. Genau deshalb sind sie interessant: Dort kann sich Wassereis gehalten haben. Zur Einordnung: Pluto zählt seit 2006 nicht mehr als Planet, sondern als Zwergplanet. Im Buch steht der kürzere Begriff, damit die Zeile für Erstleser kurz genug bleibt. Am Vergleich ändert das nichts: Auf Pluto herrschen etwa minus 230 Grad, die Mondkrater sind mit rund minus 240 Grad tatsächlich kälter.
Dazu passt: Wie kalt es auf dem Mond wird, passt zum Diamantregen auf Seite 13.
Quelle: NASA, Lunar Reconnaissance Orbiter, Diviner-Instrument: rund minus 240 Grad in dauerhaft beschatteten Kratern nahe dem Suedpol.
Seite 13 · Fakt 6
Diamantenregen
In den tiefen Schichten von Neptun und Uranus herrschen Drücke von mehreren Millionen Bar und Temperaturen von einigen tausend Grad. Unter diesen Bedingungen zerfallen Methanmoleküle, und der frei werdende Kohlenstoff kann zu Diamant kristallisieren. 2017 hat ein Team am SLAC National Accelerator Laboratory diesen Vorgang im Labor nachgestellt und dabei Nanodiamanten erzeugt. Ob die Kristalle im Planeteninneren wirklich als „Regen" absinken, ist ein plausibles Modell, keine Beobachtung. Gesehen hat das niemand.
Quelle: SLAC National Accelerator Laboratory, 2017: Nachstellung der Diamantbildung unter Neptunbedingungen im Labor. Der Diamantregen im Planeteninneren bleibt ein Modell.
QR-Code Lawrence Livermore National Laboratory
Seite 14 · Fakt 7
Im Weltraum wirst du größer
Ohne das ständige Gewicht, das auf ihr lastet, dehnt sich die Wirbelsäule: Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln nehmen wieder ihre volle Höhe ein. Astronautinnen und Astronauten werden dadurch in den ersten Tagen im All etwa drei Prozent größer, bei 1,80 Metern also gut fünf Zentimeter. Der Effekt bildet sich nach der Rückkehr innerhalb weniger Tage vollständig zurück. Er ist nicht nur eine Kuriosität: Die gedehnte Wirbelsäule ist eine der Ursachen für die Rückenschmerzen, über die viele im Orbit klagen.
Zur Formulierung im Buch: Dort steht, im All gebe es keine Schwerkraft. Das ist die verbreitete Kurzformel, genau genommen stimmt sie nicht. In der Höhe der Raumstation, rund 400 Kilometer über dem Boden, wirken noch etwa 90 Prozent der Erdanziehung. Die NASA veranschaulicht es mit einer Leiter: Wer auf einer Leiter bis zur Station hinaufsteigen könnte, wöge dort oben noch neun Zehntel dessen, was er unten wiegt. Die Besatzung schwebt aus einem anderen Grund. Sie ist mit der Station im freien Fall: Die Station fällt ununterbrochen zur Erde und fliegt dabei so schnell zur Seite, rund 28 000 Kilometer pro Stunde, dass der runde Erdboden unter ihr immer wieder wegkrümmt. Weil alles gemeinsam fällt, die Station, die Menschen und jeder Bleistift darin, scheint nichts zu fallen. Am Effekt im Kindertext ändert das nichts, denn auch im freien Fall lastet kein Gewicht mehr auf der Wirbelsäule. Wenn Ihr Kind fragt, warum sie nicht herunterfallen: Sie fallen. Die Erde ist nur rund, und sie fliegen so schnell an ihr vorbei, dass sie nie ankommen.
Quelle: NASA, Human Research Program: Laengenzunahme von etwa drei Prozent durch Dehnung der Bandscheiben, vollstaendig rueckbildend. · NASA, „What Is Microgravity?“: In der Bahnhoehe der Raumstation wirken rund 90 Prozent der Erdanziehung; das Schweben entsteht durch den freien Fall, nicht durch fehlende Schwerkraft.
Seite 15 · Fakt 8
Der Mond läuft weg
Der Mond entfernt sich um 3,8 Zentimeter pro Jahr. Gemessen wird das seit den Apollo-Missionen mit Laserreflektoren, die auf der Mondoberfläche stehen: Ein Laserpuls von der Erde wird zurückgeworfen, aus der Laufzeit ergibt sich die Entfernung auf Zentimeter genau. Ursache ist die Gezeitenreibung. Die Erde dreht sich schneller, als der Mond sie umkreist, und schiebt ihn dadurch nach außen. Im Gegenzug wird der Erdtag länger, um etwa zwei Tausendstelsekunden pro Jahrhundert.
Quelle: Lunar Laser Ranging seit den Apollo-Missionen: 3,8 cm Entfernung pro Jahr, Ursache Gezeitenreibung.