Wie du mit deinem Kind liest

Die Silben in diesem Buch sind abwechselnd eingefärbt. Das ist ein bewährtes Prinzip aus der Logopädie: Lange Wörter zerfallen in Häppchen, und dein Kind stolpert nicht mehr über sie. Die Farben wirken wie Stützräder. Irgendwann braucht dein Kind sie nicht mehr.

Lass dein Kind selbst aussuchen, welches Gefühl es heute lesen möchte. Ein Kind, das wählen darf, liest weiter. Und wenn es nach zwei Seiten genug hat, ist das in Ordnung. Das Buch läuft nicht weg.

Die Erzählaufträge und Rätsel sind keine Prüfung. Sie sind eine Einladung weiterzureden. Wenn dein Kind dir den Fakt in eigenen Worten erzählt, hat es mehr gelernt als durch jede Kontrollfrage.

Dein Kind liest im Buch kurze Sätze. Hier steht, was dahintersteckt.

Woher jeder Fakt stammt. Wo die Forschung sich einig ist und wo nicht. Und an welchen Stellen ich etwas weggelassen habe, weil es für ein Kind zu viel wäre. Weihnachten ist voller Behauptungen, die sich seit Jahrzehnten halten, ohne je gestimmt zu haben. Einige davon fehlen in diesem Buch mit Absicht. Auch das steht hier.

Unter jedem Fakt steht seine Quelle. Bei ein paar Bräuchen findest du dort den Vermerk Überliefert, nicht belegt. Das heißt: Die Geschichte wird seit Langem weitergereicht, aber ich habe keine Erstaufzeichnung dafür gefunden. Sie steht trotzdem im Buch, weil sie zum Brauch gehört. Sie soll nur nicht als gesichert gelten, und dein Kind soll sie im Zweifel als Erzählung kennen und nicht als Tatsache.

😲WOW! · Fakten zum Staunen

Acht Dinge über Weihnachten, die stimmen und die trotzdem kaum jemand glaubt.

Seite 8 · Fakt 1

Der Satellit sieht dein Licht

Suomi NPP, Instrument VIIRS, gemeinsame Mission von NASA und NOAA. In den Wochen um Weihnachten leuchten die Innenstädte von siebzig untersuchten US-Städten 20 bis 30 Prozent heller als sonst, die Vororte 30 bis 50 Prozent. Dieselbe Untersuchung fand ein noch stärkeres Aufleuchten im Nahen Osten während des Ramadan. Veröffentlicht im Dezember 2014.

Quelle: Román, M. O. und Stokes, E. C. (2015): „Holidays in lights: Tracking cultural patterns in demand for energy services". Earth's Future 3. Untersucht wurden 70 US-Städte in den Jahren 2012 und 2013. Vorgestellt von der NASA im Dezember 2014.

Seite 9 · Fakt 2

Rudolf hat wirklich eine rote Nase

Ince u. a., „Why Rudolph's nose is red: observational study", BMJ, 17. Dezember 2012, aus der jährlichen Weihnachtsausgabe des British Medical Journal. Untersucht wurden fünf Menschen und zwei Rentiere. Das Netz der Blutgefäße in der Rentiernase ist etwa ein Viertel dichter als beim Menschen. Unter der Wärmebildkamera leuchtet sie tatsächlich rot. Das viele warme Blut schützt die Nase vor dem Erfrieren und hilft zugleich, die Gehirntemperatur zu regeln.

Quelle: Ince, C. u. a. (2012): „Why Rudolph's nose is red: observational study". BMJ 345, 17. Dezember 2012, aus der jährlichen Weihnachtsausgabe des British Medical Journal.

Seite 10 · Fakt 3

Der längste Lebkuchen der Welt

1052 Meter, Ludwigsburg, 18. Dezember 2009. Gebacken von zwei Bäckern aus Oppenau, Stefan Koch und Konrad Friedmann. Sieben Tonnen schwer, 150 Sack Mehl, 1700 Kilo Honig, 1000 Kilo Walnusskerne. In Stücke geschnitten und gegen Spende abgegeben; der Erlös von rund 89 000 Euro ging an eine Hilfsaktion für Kinder und Jugendliche.

Quelle: Rekord-Institut für Deutschland (RID), Rekord „Längster Lebkuchen": 1052,3 Meter, Ludwigsburg, 18. Dezember 2009, gebacken von Stefan Koch und Konrad Friedmann für die SWR-Aktion „Herzenssache". Spendenerlös 89 371,83 Euro, abgenommen von Rekordrichter Olaf Kuchenbecker.

Seite 11 · Fakt 4

Ein Weihnachtsbaum aus Blechdosen

Skylab 4, die dritte bemannte Skylab-Besatzung, war 1973 die erste, die Weihnachten im All verbrachte. Den Baum aus leeren Lebensmittelbehältern zeigte sie am 24. Dezember 1973 in einer Fernsehübertragung; an der Spitze saß ein ausgeschnittener Komet. Am 25. Dezember, dem Weihnachtstag selbst, stiegen Gerald Carr und William Pogue aus und blieben sieben Stunden und eine Minute draußen, der längste Weltraumausstieg im Erdorbit bis dahin. Dabei fotografierten sie den Kometen Kohoutek. NASA-Bildnummer S73-38687.

Quelle: NASA, Skylab 4, Fernsehübertragung vom 24. Dezember 1973; NASA-Bildnummer S73-38687. Der Ausstieg von Gerald Carr und William Pogue am 25. Dezember 1973 dauerte sieben Stunden und eine Minute.

Seite 12 · Fakt 5

Das wärmste Fell der Welt

Unter allen Säugetieren hat der Polarfuchs das am besten isolierende Fell. Die Isolierung entsteht nicht durch die Haare selbst, sondern durch die Luft, die zwischen ihnen eingeschlossen wird, dasselbe Prinzip wie bei einer Daunenjacke.

Quelle: Scholander, P. F. u. a. (1950): „Heat regulation in some arctic and tropical mammals and birds". Biological Bulletin 99. Dazu Prestrud, P. (1991): „Adaptations by the Arctic Fox (Alopex lagopus) to the Polar Winter". Arctic 44. Unter allen untersuchten Säugetieren hat der Polarfuchs die beste Fellisolierung.

Seite 13 · Fakt 6

Weihnachts-Streich im All

Gemini VI, 16. Dezember 1965. Wally Schirra spielte eine winzige Mundharmonika der Marke Hohner, Tom Stafford fünf kleine Glöckchen; beides war heimlich an Bord gebracht worden. Kurz zuvor funkten die beiden eine erfundene Ufo-Meldung zur Erde, ein Objekt mit jemandem in einem roten Anzug. Guinness führt es als erstes Musikinstrument im Weltall. Beide Instrumente wurden 1967 dem Luft- und Raumfahrtmuseum der Smithsonian Institution übergeben und sind dort bis heute.

Quelle: Smithsonian National Air and Space Museum, Sammlungsstücke „Harmonica, Gemini 6" (A19670148000) und „Bells, Gemini 6" (A19670148001), 1967 von Wally Schirra übergeben. Guinness World Records führt es als erstes Musikinstrument im Weltall. Gemini VI-A, 16. Dezember 1965.

Seite 14 · Fakt 7

Weihnachtstiere

Über dreißig Tier- und Pflanzenarten tragen Weihnachten im Namen, und das aus drei Gründen: wegen ihrer Farben, wegen ihrer Herkunft, oder weil sie sich ausgerechnet um Weihnachten fortpflanzen. Die drei Beispiele im Text stehen in genau dieser Reihenfolge. Der Fisch ist der Christmas darter (Etheostoma hopkinsi), 1945 beschrieben, benannt nach seinen roten und grünen Streifen. Einen eingeführten deutschen Namen hat er nicht. „Weihnachtsfisch" bezeichnet im Deutschen sonst den Weihnachtskarpfen. Das gehört auf die Elternseite, weil ein Nachschlagen sonst bei Rezepten landet. Der Käfer ist der australische Weihnachtskäfer, der in Massen um Weihnachten schlüpft. Die Krabbe ist die rote Landkrabbe der Weihnachtsinsel; sie passt doppelt, weil sie auch leuchtend rot ist. Die Insel: Im Schiffstagebuch eines englischen Kapitäns steht die Sichtung um drei Uhr morgens am 25. Dezember 1643, mit der Begründung, man habe sie so genannt, weil Weihnachtstag war. Sie wurde nicht entdeckt, sondern benannt. Die Insel stand vorher schon namenlos auf Karten. Deshalb steht im Text „sah" und nicht „entdeckte".

Quelle: Natural History Museum, London: „Christmas animals and plants: The festive species named for 25 December". Über dreißig Arten tragen Weihnachten im Namen, wegen ihrer Farben, ihrer Herkunft oder ihrer Fortpflanzungszeit.

Seite 15 · Fakt 8

Der Weihnachtsbaumwurm

Spirobranchus giganteus. Die „Bäumchen" sind Radiolen und dienen gleichzeitig als Kiemen und als Fangarme. Das Tier atmet und frisst mit demselben Organ. Jeder Wurm trägt zwei davon. Bei Schatten oder Erschütterung Rückzug in die Röhre in weniger als einer Sekunde, verschlossen von einem Deckel, dem Operculum. Der Wurm siedelt sich auf lebender Koralle an, die um ihn herumwächst. Farben unter anderem Pink, Gelb, Blau, Orange und Weiß.

Quelle: NOAA Ocean Service, „What are Christmas tree worms?" zu Spirobranchus giganteus. Die Radiolen dienen zugleich der Atmung und dem Fressen; beim Rückzug verschließt ein umgebildeter Radiol, das Operculum, die Röhre.

🤢IGITT! · Fakten zum Ekeln

Acht Fakten, bei denen das Fest von seiner unappetitlichen Seite kommt.

Seite 17 · Fakt 1

Dein Weihnachtsbaum hat Mitbewohner

Bis zu 25 000 Tiere je Baum: Zecken, Spinnen, Milben, Läuse und Käfer. Die meisten sitzen in Winterstarre im Holz, nicht darauf, und werden in der Wärme wieder aktiv. Entwarnung des Insektenforschers: Sie bleiben am Baum, und in der trockenen Wohnung finden sie nichts zu fressen.

Quelle: Bjarte Jordal, Insektenforscher am Universitätsmuseum Bergen, zu den Tieren im Weihnachtsbaum. Bis zu 25 000 Tiere je Baum; die meisten überwintern in Winterstarre im Holz und finden in der trockenen Wohnung nichts zu fressen.

Seite 18 · Fakt 2

Gestank beim Weihnachtsessen

Alle Kohlarten enthalten schwefelhaltige Glucosinolate. Roh sind sie an Zucker gebunden und geruchlos; beim Erhitzen spalten Enzyme sie auf, und es entsteht unter anderem Schwefelwasserstoff, derselbe Stoff, der faule Eier und Darmgase riechen lässt. Je länger gekocht wird, desto mehr entweicht. Besonders viel steckt in Grünkohl, Rosenkohl und Brokkoli.

Quelle: Zur Chemie: Alle Kohlarten enthalten schwefelhaltige Glucosinolate. Beim Erhitzen entstehen daraus flüchtige Schwefelverbindungen, unter anderem Schwefelwasserstoff. Siehe Hanschen, F. S. u. a. zur thermischen Zersetzung von Glucosinolaten in Rotkohl, Food Chemistry, sowie die Übersichtsarbeit „The Impact of Domestic Cooking Methods on Myrosinase Stability, Glucosinolates and Their Hydrolysis Products in Different Cabbage (Brassica oleracea) Accessions", Foods (2021).

Seite 19 · Fakt 3

Der Klotz, der Süßigkeiten kackt

Der Brauch stammt aus Katalonien, im Nordosten Spaniens. Der eigentliche Name des Klotzes ist Tió de Nadal, „Weihnachtsklotz". Tió geht auf lateinisch titio zurück und meint das brennende Holzscheit. Der Brauch stammt vermutlich von älteren Sonnenwendbräuchen ab, bei denen ein Scheit über die Wintertage verbrannt wurde; belegt ist er seit dem 17. Jahrhundert. „Caga Tió" ist genau genommen kein Name, sondern ein Befehl: caga heißt „kack!", also „Kack, Klotz!". Genau das rufen die Kinder ihm zu. Weil sie es jedes Jahr rufen, ist daraus der Zweitname geworden. Der Klotz ist etwa dreißig Zentimeter lang, hohl, hat ein aufgemaltes Gesicht, eine rote Zipfelmütze (eine kleine barretina) und Stockbeine. Gefüttert wird er ab dem 8. Dezember mit Nüssen, Obst, Trockenfrüchten, Süßigkeiten, manchmal Milch; die Kinder stellen das Essen abends hin, am Morgen ist es verschwunden. Der Liedvers lautet vollständig etwa „Caga tió, ametlles i torró!", auf Deutsch „Kack, Tió, Mandeln und Nougat!"

Quelle: Joan Amades, „Costumari català. El curs de l'any" (Barcelona 1952), das ethnografische Standardwerk zu den katalanischen Bräuchen, Band 1 zur Weihnachtszeit. Der Tió ist ursprünglich ein Holzscheit, das über die Wintertage im Herd verbrannt wurde; der Brauch ist seit dem 17. Jahrhundert belegt und geht auf ältere Sonnenwendbräuche zurück.

Seite 20 · Fakt 4

Geweih im Lebkuchen

Hirschhornsalz ist ein Backtriebmittel aus Ammoniumhydrogencarbonat. Im Mittelalter wurde es tatsächlich aus Hirschgeweih gewonnen: Das Geweih wurde geraspelt und dann unter Luftabschluss erhitzt, bis das Salz sich niederschlug. Der Stickstoff dafür steckt im Eiweiß des Geweihs, das überwiegend aus Knochen besteht, nicht aus Horn. Heute wird es industriell hergestellt und ist auch für vegane Ernährung geeignet. Beim Backen zerfällt es und setzt Ammoniak frei. Daher der stechende Geruch. In flachem Gebäck entweicht das Ammoniak vollständig, weshalb es für Lebkuchen und Spekulatius funktioniert, nicht aber für hohen Kuchen.

Quelle: DECHEMA, Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, „Hirschhornsalz – Das traditionelle Backtriebmittel unter der Lupe"; dazu das Lebensmittellexikon zu E 503 (Ammoniumhydrogencarbonat).

Seite 21 · Fakt 5

Stinkkerzen auf dem Adventskranz

Talg- oder Unschlittkerzen wurden aus Rindernierenfett oder Hammeltalg hergestellt. Sie rochen ranzig, rußten und qualmten und flackerten stark; der Docht musste immer wieder gekürzt werden („schnäuzen", dafür gab es die Lichtputzschere). Sie waren deutlich billiger als Bienenwachs und deshalb die Kerze der ärmeren Leute. Abgelöst wurden sie im 19. Jahrhundert: Eugène Chevreul trennte ab 1816 die Stearinsäure aus dem Talg, 1825 erhielt er mit Joseph Louis Gay-Lussac das Patent für die Stearinkerze; ab 1850 kam Paraffin aus Erdöl dazu.

Quelle: Zur Geschichte der Talg- oder Unschlittkerze und ihrer Ablösung: Eugène Chevreul trennte ab 1816 die Stearinsäure aus dem Talg; das Patent für die Stearinkerze erhielten Chevreul und Joseph Louis Gay-Lussac 1825. Paraffin aus Erdöl folgte ab 1850 nach der Entdeckung durch James Young. Enzyklopädische Standarddarstellung zur Entwicklung der Stearinkerze.

Seite 22 · Fakt 6

Fleisch im Weihnachtsküchlein

Mince pies enthielten im Mittelalter und in der Tudorzeit Lamm oder Kalb, im 18. Jahrhundert auch Zunge oder Kutteln, im 19. Rinderhack. Zucker und Alkohol dienten der Haltbarmachung des Fleischs, nicht dem Geschmack. Das Fleisch verschwand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts; ein bekanntes Kochbuch von 1861 führte noch zwei Rezepte, eines mit und eines ohne. Nicht im Kindertext, aber wissenswert: Traditionell steckt bis heute suet darin, Rinder- oder Hammelfett aus der Nierengegend. Das Fleisch ist raus, das Fett nicht.

Quelle: English Heritage, „Meat to sweet: A history of the mince pie"; dazu Isabella Beeton, „Book of Household Management" (1861), die zwei Rezepte für mincemeat führt, eines mit und eines ohne Fleisch. Mittelalter und Tudorzeit Lamm und Kalb, 18. Jahrhundert Zunge und Kutteln, 19. Jahrhundert Rinderhack; gegen Ende der viktorianischen Zeit verschwand das Fleisch, das suet blieb.

Seite 23 · Fakt 7

Was noch in der Rentiernase steckt

Die Rentier-Nasendasselfliege Cephenemyia trompe, erstbeschrieben 1786. Die Larven sitzen den Winter über in Nasenhöhle und Rachen und werden im Frühling ausgehustet; danach verpuppen sie sich am Boden. In einer norwegischen Untersuchung waren 65 Prozent der Rentiere befallen, einzelne Tiere trugen bis zu 221 Larven. Starker Befall führt zu Abmagerung und Lähmungserscheinungen; in Skandinavien gilt die Fliege als ernstes Problem der Rentierhaltung.

Dazu passt: Rudolfs rote Nase steht auf Seite 9.

Quelle: Nilssen, A. C. und Haugerud, R. E. (1995): „Epizootiology of the reindeer nose bot fly, Cephenemyia trompe (Modeer) (Diptera: Oestridae), in reindeer, Rangifer tarandus (L.), in Norway". Canadian Journal of Zoology 73. Untersucht wurden 571 halbdomestizierte Rentiere in Nordnorwegen und 44 wilde Rentiere in Südnorwegen; die Befallsrate lag bei 65,2 Prozent.

Seite 24 · Fakt 8

Die Wespe im Weihnachtsbrot

Feigen sind keine Früchte, sondern nach innen gestülpte Blütenstände. Bestäubt werden sie von winzigen Feigenwespen, die durch eine enge Öffnung hineinkriechen und nicht wieder herausgelangen. Die Feige zersetzt das Tier anschließend mit einem eigenen Enzym (Ficin) und nimmt es als Eiweiß auf. Die knusprigen Teile beim Essen sind Samen, keine Wespenreste. Die meisten im Handel erhältlichen Sorten sind parthenokarp und brauchen überhaupt keine Bestäubung. Weihnachtsanker: Früchtebrot, je nach Gegend auch Birnbrot, Kletzenbrot, Hutzelbrot oder Zelten, ein Advents- und Weihnachtsgebäck aus dem Alpenraum, in dem getrocknete Feigen zu den Hauptzutaten gehören.

Quelle: Rønsted, N. u. a. (2005): „60 million years of co-divergence in the fig-wasp symbiosis". Proceedings of the Royal Society B 272, mit Beteiligung der Royal Botanic Gardens Kew; dazu die Übersicht „Figs and fig wasps", Current Biology 15 (2005). Die Feige ist ein nach innen gestülpter Blütenstand (Syconium); die eingedrungene Wespe wird vom Enzym Ficin zersetzt. Die knusprigen Teile beim Essen sind Samenschalen. Die meisten Handelssorten sind parthenokarp und brauchen keine Bestäubung.

😮OOHH! · Fakten zum Überraschen

Acht Bräuche, die ganz anders sind, als alle sagen. Manche sind schlicht erfunden.

Seite 26 · Fakt 1

Dreizehn Weihnachtsmänner?

TagNameWas er treibt
12.12.Pferchpfostenzapft den Mutterschafen die Milch ab; er hat ganz steife Beine
13.12.Schluchtenkoboldstibitzt im Kuhstall den Milchschaum
14.12.Knirpskratzt Angebranntes aus der Pfanne
15.12.Kochlöffelleckerleckt Löffel und Kellen sauber
16.12.Topfschabermacht sich über halbleere Kochtöpfe her
17.12.Essnapfleckervor ihm ist kein Rest im Napf sicher
18.12.Türzuschlägererschreckt die Leute mit Krachen
19.12.Quark-Gierschlundgiert nach isländischem Skyr
20.12.Wurststibitzerklaut Räucherwürste vom Haken
21.12.Fensterglotzerspäht heimlich durchs Fenster
22.12.Türschlitzschnüfflerschnüffelt nach Essbarem
23.12.Fleischkrallerwill etwas vom Weihnachtsbraten
24.12.Kerzenschnorrermag den Geschmack von Kerzentalg

Die drei fett gedruckten stehen im Kindertext. Ihre Mutter ist die Trollfrau Grýla; ihr gehört auch die Weihnachtskatze aus Kapitel 5.

Ein Fund für die Elternseite: Der letzte kommt an Heiligabend und heißt Kerzenschnorrer, weil er Kerzentalg mag, genau das Tierfett aus Kapitel 2, Fakt 5.

Quelle: Jóhannes úr Kötlum, „Jólasveinarnir", in: „Jólin koma" (Reykjavík 1932). Dieses Gedicht hat die dreizehn Namen und ihre Ankunftstage in der bis heute gültigen Form festgelegt. Die Jólasveinar kommen vom 12. bis 24. Dezember, einer je Nacht; der letzte, Kertasníkir, kehrt am 6. Januar zurück ins Gebirge. Ihre Mutter ist die Trollfrau Grýla, die in isländischen Texten seit dem 13. Jahrhundert vorkommt.

Seite 27 · Fakt 2

Was alle über den Weihnachtsstern sagen

Auswertung von 22 793 gemeldeten Fällen über acht Jahre (Krenzelok u. a., American Journal of Emergency Medicine, 1996; Datenbasis der amerikanischen Giftinformationszentren 1985–1992): kein einziger Todesfall, über 92 Prozent ganz ohne Symptome, über 96 Prozent ohne Behandlung. Herkunft des Irrtums: 1919 starb auf Hawaii ein zweijähriges Kind, jemand gab einem Weihnachtsstern-Blatt die Schuld. Bewiesen wurde das nie. Es ist nicht einmal sicher, ob es das Kind gab. Der Arzt Harry L. Arnold übernahm die Geschichte 1944 in sein Buch über Giftpflanzen Hawaiis und nahm sie später zurück. Da war sie längst in der Fachwelt und von dort in den Köpfen. Der Milchsaft kann die Haut reizen, mehr nicht.

Quelle: Krenzelok, E. P. u. a. (1996): „Poinsettia exposures have good outcomes … just as we thought". American Journal of Emergency Medicine 14. Ausgewertet wurden 22 793 gemeldete Fälle der amerikanischen Giftinformationszentren aus den Jahren 1985 bis 1992: kein Todesfall, über 92 Prozent ohne Symptome, über 96 Prozent ohne Behandlung.

Seite 28 · Fakt 3

Die Gurke aus Glas

Deutsche Glasbläser stellten im 19. Jahrhundert Obst und Gemüse aus Glas her; F. W. Woolworth importierte den Schmuck in die USA. Die grüne Gurke verkaufte sich schlecht, weil sie am grünen Baum kaum zu sehen war. Daraufhin entstand die Erzählung, es handle sich um einen alten deutschen Brauch. Laut einer Umfrage der New York Times von 2016 haben 91 Prozent der Deutschen nie davon gehört. Der „Christmas Pickle" gilt heute als deutsch-amerikanische Erfindung des späten 19. Jahrhunderts.

Quelle: YouGov-Umfrage unter 2057 Deutschen, veröffentlicht 2016 in der New York Times: 91 Prozent kannten die Weihnachtsgurke nicht, zwei Prozent hielten den Brauch. Zur Herkunft: F. W. Woolworth führte ab den 1880er Jahren Glasschmuck aus Lauscha in Thüringen in die USA ein, darunter Obst- und Gemüseformen.

Seite 29 · Fakt 4

Federn statt Nadeln

Federbäume entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Deutschland und gelten als die erste Form künstlicher Weihnachtsbäume. Getrocknete Gänse- und Truthahnfedern wurden grün gefärbt und mit Draht an einen Holzstock gebunden, der mit grünem oder braunem Papier umwickelt war. Die Größen reichten von wenigen Zentimetern bis über 1,80 Meter. Der Anlass war die wachsende Sorge um die Abholzung durch den Weihnachtsbaum-Einschlag.

Quelle: Zur Geschichte des Federbaums: Entstanden in Deutschland in den 1880er und 1890er Jahren, gefertigt aus grün gefärbten Gänsefedern an Drahtzweigen um einen mit Papier umwickelten Holzstab. Er gilt als die erste Form des künstlichen Weihnachtsbaums; Anlass war die Sorge um die Abholzung durch den Weihnachtsbaum-Einschlag. Darstellung der Sauk County Historical Society, „A Feather Tree for Christmas".

Seite 30 · Fakt 5

Brei an der Zimmerdecke

Kutia ist das älteste Gericht des Heiligabends in der Ukraine und in der Slowakei, ein Brei aus Weizenkörnern, Honig, Mohn und Nüssen. Weizen steht für Leben, Honig für Süße, Mohn für Fülle, Nüsse für Kraft. Der Hausvater wirft einen Löffel an die Decke; je mehr Körner kleben bleiben, desto besser die Ernte. Ein zweiter Löffel geht ans Fenster, als Gabe an den Frost, damit er die Felder verschont. Der Brauch geht auf vorchristliche Rituale zurück. Achtung: Deutsche Fun-Fact-Listen erzählen das als „Loksa-Pudding". Das ist verstümmelt, lokša ist ein slowakischer Kartoffelfladen. Nur die Kutia-Fassung verwenden.

Quelle: Zur Kutia: das Gericht der ukrainischen Sviata Vecheria am Heiligabend, aus Weizenkörnern, Honig, Mohn und Nüssen. Der Hausvater wirft den ersten Löffel an die Decke. Überliefert, nicht belegt: Der zweite Löffel ans Fenster wird in manchen Darstellungen als Gabe an den Frost gedeutet, in anderen als Gabe an die verstorbenen Vorfahren. Auch die Deutung der vier Zutaten schwankt: Honig steht mal für Süße, mal für Gesundheit, Mohn mal für Fülle, mal für Schutz. Für keine der beiden Fassungen gibt es eine feste Quelle. Wir erzählen die Fassung, die im Alpenraum und in deutschen Darstellungen verbreitet ist.

Seite 31 · Fakt 6

Ein Lied, das alle kennen

Das Lied wurde 1857 unter dem Titel One Horse Open Sleigh veröffentlicht und 1859 in Jingle Bells umbenannt. Es handelt von einer Schlittenfahrt und einem Wettrennen; im gesamten Text kommt kein Weihnachtswort vor. Die verbreitete Behauptung, es sei ursprünglich für das amerikanische Erntedankfest geschrieben worden, ist unter Fachleuten umstritten und steht deshalb nicht im Buch.

Dazu passt: Dass „Jingle Bells" im Weltall gespielt wurde, steht auf Seite 13.

Quelle: James Lord Pierpont, „One Horse Open Sleigh" (1857), 1859 unter dem Titel „Jingle Bells" neu herausgegeben. Zur Erstaufführung: Kyna Hamill, Boston University, wies 2017 nach, dass das Lied zuerst 1857 in einer Bostoner Minstrel-Show gesungen wurde. Im Text kommt kein Weihnachtswort vor.

Seite 32 · Fakt 7

Das fliegende Weihnachtsgeschenk

Julklapp setzt sich zusammen aus schwedisch jul (Weihnachten) und klappa (klopfen). Der Schenkende klopfte laut, warf das verpackte Geschenk durch Tür oder offenes Fenster und lief davon. Der Name beschreibt also nicht das Geschenk, sondern das Geräusch davor. Nach Deutschland kam der Brauch über Rügen, das nach dem Dreißigjährigen Krieg von 1648 bis 1815 unter schwedischer Verwaltung stand; „dat Julklapp smiten" war dort noch 1932 allgemein bekannt. In Norddeutschland bezeichnet „Julklapp" bis heute das Wichteln.

Quelle: „Etymologisches Wörterbuch des Deutschen", Eintrag Julklapp (DWDS): Entlehnung aus schwedisch julklapp, aus jul (Weihnacht) und klappa (klopfen); ursprünglich ein Geschenk, das nach starkem Pochen durch die Tür geworfen wurde. Ins Deutsche gelangte das Wort im 18. Jahrhundert. Zum Brauch auf Rügen: Museumsgesellschaft Mönchgut-Granitz, „Weihnachten war Julklapp auf Mönchgut".

Seite 33 · Fakt 8

Das Weihnachtsessen aus der Tüte

Eine Werbekampagne der 1970er Jahre machte in Japan das Essen einer Schnellrestaurant-Kette zum Heiligabend-Ritual. Bestellungen werden vielerorts Wochen im Voraus aufgegeben. Der Markenname wird im Buch bewusst nicht genannt. Er wäre Werbung, und das Buch soll auch dann noch stimmen, wenn die Kette anders heißt.

Dazu passt: Die Glasgurke mit derselben Pointe steht auf Seite 28.

Quelle: Zur Kampagne „Kurisumasu ni wa Kentakkii" („Kentucky zu Weihnachten") von 1974, mit der eine Schnellrestaurant-Kette das Hühnchen zum japanischen Heiligabend-Ritual machte. Bestellungen sind bis zu zwei Monate im Voraus möglich; der 24. Dezember ist der umsatzstärkste Tag des Jahres.

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Seite 35 · Fakt 1

Fuchsfeuer am Himmel

Das finnische Wort für Nordlicht, revontulet, heißt wörtlich Fuchsfeuer. Der Sage nach rennt ein Fuchs über den Schnee und schlägt mit seinem Schweif Funken in den Himmel. Physikalisch entstehen Polarlichter, wenn geladene Teilchen des Sonnenwinds auf die obere Atmosphäre treffen und Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten bringen. Das Grün stammt vom Sauerstoff.

Quelle: Finnisches Meteorologisches Institut (Ilmatieteen laitos) zum Wort revontulet, wörtlich „Fuchsfeuer". Der Sage nach schlägt ein über den Schnee laufender Fuchs mit dem Schweif Funken in den Himmel. Zur Herkunft der Sage die Untersuchung des Volksdichtungsforschers Martti Haavio.

Seite 36 · Fakt 2

Die Flocke auf deinem Ärmel

Wassermoleküle verbinden sich über Wasserstoffbrücken immer in denselben Winkeln (60 und 120 Grad). Daraus entsteht ein sechseckiges Kristallgitter; der Kristall wächst an den Kanten weiter, daher die sechs Arme. Wichtig: Schneekristalle sind immer sechszählig, aber nicht immer sternförmig. Es gibt auch Säulen, Nadeln und flache Plättchen. Der sechszackige Stern (Dendrit) ist nur die bekannteste Form. Nicht im Buch: der beliebte Satz „Keine zwei Schneeflocken sind gleich". Er ist nicht beweisbar; die Sechseckform dagegen kann jedes Kind selbst nachzählen.

Quelle: Kenneth G. Libbrecht, California Institute of Technology, „The Snowflake: Winter's Secret Beauty" und die begleitende Sammlung snowcrystals.com. Die Sechszähligkeit folgt aus den Wasserstoffbrücken der Wassermoleküle; Dendriten, Säulen, Nadeln und Plättchen sind verschiedene Wuchsformen desselben Gitters. Zur ersten Beschreibung der Sechseckform: Johannes Kepler, „Strena seu de nive sexangula" (Frankfurt 1611).

Seite 37 · Fakt 3

Der Zauber im Harz

Die Duftstoffe der Nadelbäume (vor allem Bornylacetat sowie Alpha- und Beta-Pinen) sind Terpene und stecken im Harz. Der Baum bewahrt sie in eigenen Kanälen in Rinde und Nadeln auf. Bei Verletzung tritt das Harz aus, verschließt die Wunde und senkt die Infektionsgefahr; die Terpene wirken zugleich abwehrend gegen Fraßfeinde und Krankheitserreger. Dass es für uns gut riecht, ist ein Nebeneffekt.

Quelle: „Chemometric analysis of monoterpenes and sesquiterpenes of conifers", Frontiers in Plant Science (2024); dazu Keeling, C. I. und Bohlmann, J.: „Defensive resin biosynthesis in conifers". Bornylacetat sowie Alpha- und Beta-Pinen gehören zu den typischen Monoterpenen der Nadelbäume. Das Harz sammelt sich in eigenen Kanälen, tritt bei Verletzung aus, verschließt die Wunde und wirkt gegen Fraßfeinde und Krankheitserreger.

Seite 38 · Fakt 4

Das Netz aus Silber und Gold

Die Papierspinnen heißen auf Ukrainisch Pavuchky, wörtlich „kleine Spinnen"; sie werden aus Papier und Draht gefertigt und sind vor allem in der Westukraine verbreitet. Spinne und Netz stehen in der ukrainischen Volkskunst für Glück, Schutz, Ausdauer und die Erfüllung von Wünschen; das Spinnenmotiv gehört zu den häufigsten auf Pysanky, den bemalten Ostereiern. Die Sage ist nicht alt. Lubow Wolynetz, Volkskunst-Kuratorin des Ukrainischen Museums in New York, datiert sie auf das späte 19. oder frühe 20. Jahrhundert.

Quelle: Lubow Wolynetz, Kuratorin für Volkskunst am Ukrainischen Museum in New York, zu den Pavuchky, den „kleinen Spinnen" aus Papier und Draht. Der Brauch ist vor allem in der Westukraine verbreitet; Spinne und Netz stehen für Glück, Schutz, Ausdauer und die Erfüllung von Wünschen. Wolynetz datiert die Sage auf das späte 19. oder frühe 20. Jahrhundert.

Seite 39 · Fakt 5

Der singende See

Ursache sind Spannungen im Eis durch Temperaturunterschiede: Die Oberseite dehnt sich aus oder zieht sich zusammen, die Unterseite kaum. Dadurch reißt es an der Unterkante auf. Der laserartige Klang entsteht durch akustische Dispersion: In der Eisdecke laufen hohe Frequenzen schneller als tiefe, das Knacken kommt also auseinandergezogen beim Ohr an. Über zweihundert Meter weit hörbar. In der Schweiz ist der Silsersee im Engadin dafür bekannt.

Quelle: Zur akustischen Dispersion in Eisdecken: Eis ist ein stark dispersives Medium, in dem hohe Frequenzen schneller laufen als tiefe. Das Knacken kommt deshalb auseinandergezogen beim Ohr an und klingt wie ein Laser. Ursache der Risse sind Spannungen durch Temperaturunterschiede zwischen Ober- und Unterseite der Eisdecke.

Seite 40 · Fakt 6

Weihnachtsduft

Zimt ist die innere Rinde immergrüner Bäume der Gattung Cinnamomum aus der Familie der Lorbeergewächse. Geerntet wird in der Regenzeit, wenn die Rinde weich ist; die äußeren Schichten werden entfernt, die innere Rinde in langen Streifen abgeschält. Beim Trocknen in der Sonne rollen sich die Streifen von beiden Seiten her von selbst zusammen. So entsteht die Zimtstange.

Quelle: Encyclopædia Britannica, Eintrag cinnamon, zur Gattung Cinnamomum aus der Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae). Geerntet wird in der Regenzeit, wenn sich die Rinde leicht vom Holz löst; die äußere Korkschicht wird abgeschabt, die innere Rinde in langen Streifen abgezogen. Beim Trocknen rollen sich die Streifen durch ungleiche Schrumpfung von selbst ein.

Seite 41 · Fakt 7

Das Lichtertor

Der erzgebirgische Schwibbogen bildet das Mundloch nach, den bogenförmigen Eingang eines Bergwerkstollens. Bergleute fuhren im Winter vor Sonnenaufgang ein und kamen nach Sonnenuntergang wieder heraus, wochenlang ohne Tageslicht. Vor der letzten Schicht vor Weihnachten hängten sie ihre Grubenlampen halbkreisförmig an die Wand. Das Licht im Fenster stand für die Sehnsucht nach Helligkeit und sollte den Bergleuten den Weg nach Hause weisen. Den ersten bekannten Lichterbogen fertigte 1726 der Bergschmied Johann Teller. Der älteste erhaltene stammt aus dem Jahr 1740 und ist ebenfalls aus Johanngeorgenstadt; ein Bogen von 1778 wird wieder Teller zugeschrieben.

Quelle: Zur Geschichte des erzgebirgischen Schwibbogens: Der Bergschmied Johann Teller fertigte 1726 in Johanngeorgenstadt den ersten bekannten Lichterbogen. Die Form bildet das Mundloch nach, den bogenförmigen Eingang eines Stollens; die Bergleute hängten ihre Grubenlampen dort halbkreisförmig auf.

Seite 42 · Fakt 8

Wunschpost

In England werfen manche Kinder ihre Wunschzettel ins Kaminfeuer; der Sage nach liest Father Christmas den Rauch. Englische Siedler brachten den Brauch in die amerikanischen Kolonien. Die Quellenlage ist hier schwächer als bei den anderen Fakten des Kapitels, überwiegend Sekundärquellen. Deshalb steht im Text ausdrücklich „So erzählt man es sich in England".

Quelle: Überliefert, nicht belegt. Für den Brauch, den Wunschzettel ins Kaminfeuer zu werfen, damit Father Christmas den Rauch liest, habe ich keine Primärquelle gefunden. Er wird in vielen Darstellungen weitergereicht, ohne dass eine davon auf eine Erstaufzeichnung zurückführt. Deshalb steht schon im Kindertext ausdrücklich „So erzählt man es sich in England" und nicht „So ist es".

😱UUHH! · Fakten zum Gruseln

Acht Gänsehautseiten, in denen nichts droht. Gruseln ja, Angst nein.

Seite 44 · Fakt 1

Weihnachten im Dunkeln

Auf Spitzbergen bleibt die Sonne vom 28. Oktober bis 14. Februar unter dem Horizont. Von Mitte November bis Ende Januar herrscht die eigentliche Dunkelzeit (norwegisch mørketid), in der es auch mittags nicht dämmert. Im Hauptort Longyearbyen kommt das Sonnenlicht wegen der umliegenden Berge sogar erst am 8. März wieder im Ort an; der Tag wird dort als Solfest gefeiert.

Quelle: Visit Svalbard und norwegische Angaben zur Dunkelzeit: Die eigentliche Polarnacht dauert etwa vom 14. November bis 29. Januar; in dieser Zeit steht die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont. In Longyearbyen erscheint die Sonne wegen der umliegenden Berge erst am 8. März wieder im Ort; der Tag wird als Solfest gefeiert.

Seite 45 · Fakt 2

Der Schädel an der Haustür

Die Mari Lwyd ist ein Winterbrauch aus Südwales, vor allem aus Glamorgan und Gwent. Ein echter Pferdeschädel wird auf eine Stange gesetzt, mit einem weißen Tuch verhängt und mit Bändern geschmückt; der Unterkiefer ist beweglich und klappert. Die Gruppe zieht zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag von Haus zu Haus. An der Tür beginnt das pwnco, ein improvisiertes Reimduell in walisischer Sprache zwischen Besuchern und Hausleuten. Wer keinen Reim mehr findet, verliert; verliert das Haus, muss es die Mari einlassen und bewirten. Erstmals um 1800 beschrieben, im frühen 20. Jahrhundert fast verschwunden, seit den 1980er-Jahren wiederbelebt. Zum Namen: Mari Lwyd wird meist mit „Graue Stute" übersetzt, manche lesen ihn als „Graue Maria". Weil die Übersetzung umstritten ist, steht sie nicht im Kindertext, anders als beim Caga Tió und beim Julklapp, wo sie eindeutig ist.

Quelle: Amgueddfa Cymru / Museum Wales und Horniman Museum, London, zur Mari Lwyd aus Südwales. Ein Pferdeschädel auf einer Stange, mit weißem Tuch verhängt, beweglicher Unterkiefer; an der Tür beginnt das pwnco, ein improvisiertes Reimduell. Erstmals um 1800 beschrieben, im frühen 20. Jahrhundert fast verschwunden, seit den 1980er Jahren wiederbelebt.

Seite 46 · Fakt 3

Weiße Haare im Winterwald

Haareis wächst an feuchtem Totholz von Laubbäumen, meist Buche oder Hasel, bei Temperaturen knapp unter null Grad und hoher Luftfeuchtigkeit, in der Regel zwischen November und März. Die Haare sind etwa 0,02 Millimeter dünn, rund dreimal dünner als ein Menschenhaar, und werden bis zu 20 Zentimeter lang. Beim Gefrieren wird Wasser durch die Holzporen nach außen gedrückt (Eissegregation). Damit daraus Haare werden und keine Klumpen, braucht es den Pilz Exidiopsis effusa: Ein von ihm gebildeter Stoff verhindert, dass die feinen Eiskristalle zu groben zusammenwachsen. Die hundert Jahre stimmen wörtlich: Vermutet hat den Pilz schon 1918 Alfred Wegener, derselbe, der die Kontinentalverschiebung entdeckte. Bewiesen wurde es erst 2015 von einem Team um den Berner Physiker Christian Mätzler, Universität Bern.

Quelle: Hofmann, D., Preuss, G. und Mätzler, C. (2015): „Evidence for biological shaping of hair ice". Biogeosciences 12. Der Pilz Exidiopsis effusa verhindert, dass die feinen Eiskristalle zu groben zusammenwachsen. Vermutet hatte den biologischen Anteil schon 1918 Alfred Wegener. Christian Mätzler forscht am Institut für Angewandte Physik der Universität Bern.

Seite 47 · Fakt 4

Der Mann in der dunklen Kutte

Der Begleiter des Samichlaus heißt in der Schweiz Schmutzli; der Name kommt von Schmutz und meinte schlicht eine unreinliche Person. Belegt ist er seit 1806 im Schweizerischen Idiotikon. Davor trug die Figur andere Namen: Düvel, Beelzebub, Leutfresser. Sie stammt aus vorchristlichen Winterbräuchen, wurde zur Drohfigur für ungehorsame Kinder und ist über die Jahrzehnte immer freundlicher geworden. Heute trägt sie den Sack. Das österreichische Gegenstück ist der Krampus.

Quelle: Schweizerisches Idiotikon, Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, zum Schmutzli: belegt seit 1806, der Name kommt von Schmutz. Ältere Namen der Figur: Düvel, Beelzebub, Leutfresser. Dazu Franz Joseph Stalder, „Versuch eines schweizerischen Idiotikon" (1806/1812).

Seite 48 · Fakt 5

Der Geister-Apfel

Geister-Äpfel entstehen bei Eisregen: Unterkühlter Regen gefriert sofort auf allem, was er berührt, und legt sich als geschlossene Eisschicht um Äpfel, die noch am Baum hängen. Ist das Fruchtfleisch bereits faulig und weich, rutscht es durch die Öffnung am Stielansatz nach unten heraus. Zurück bleibt eine durchsichtige Eishülle in Apfelform. Bekannt wurden die Bilder im Februar 2019 aus einer Obstplantage bei Sparta, Michigan; der Landwirt Andrew Sietsema fotografierte sie. Das Phänomen ist selten, weil mehrere Bedingungen gleichzeitig zutreffen müssen: ungepflückte, bereits faulende Äpfel, Eisregen, und danach Temperaturen, die das Eis halten.

Quelle: Zu den Geister-Äpfeln: Andrew Sietsema fotografierte sie im Februar 2019 in einer Obstplantage bei Sparta, Michigan, nach Eisregen. Die Sorte war Jonagold; das faulige Fruchtfleisch rutschte beim Beschneiden heraus und ließ die Eishülle zurück. Berichtet unter anderem von CNN und Forbes im Februar 2019, überprüft von Snopes.

Seite 49 · Fakt 6

Gruselstunde am Kaminfeuer

Gespenstergeschichten an Heiligabend waren im viktorianischen England ein fester Brauch; Zeitschriften brachten eigene Weihnachtsausgaben mit Geistergeschichten heraus. Charles Dickens' „A Christmas Carol" von 1843 ist selbst eine solche Geschichte. Ihr Erfolg hat die Verbindung von Weihnachten und Gespenstern erst richtig zementiert. Der Schriftsteller M. R. James las seine Geistergeschichten um 1900 zu Weihnachten Freunden im King's College in Cambridge vor. Schon bei Shakespeare heißt es im Wintermärchen, eine traurige Geschichte passe am besten zum Winter. Der Grund für den Brauch ist schlicht: die längsten Nächte des Jahres und Familien, die abends ums Feuer zusammensaßen. Im englischen Weihnachtsklassiker It's the Most Wonderful Time of the Year von 1963 ist die Zeile über die gruseligen Geistergeschichten ein letzter Rest davon.

Quelle: Zur viktorianischen Weihnachtsgeistergeschichte: Zeitschriften wie Household Words und All the Year Round brachten eigene Weihnachtsausgaben mit Geistergeschichten heraus. Charles Dickens, „A Christmas Carol" (1843). M. R. James las seine Geistergeschichten um 1900 zu Weihnachten Freunden im King's College in Cambridge vor. Bei Shakespeare heißt es im „Wintermärchen": eine traurige Geschichte passe am besten zum Winter. Die Zeile über die Gespenstergeschichten steht im Lied „It's the Most Wonderful Time of the Year" von Edward Pola und George Wyle (1963).

Seite 50 · Fakt 7

Licht wächst in den Himmel

Lichtsäulen entstehen bei sehr tiefen Temperaturen und windstiller Luft. Flache, sechseckige Eisplättchen (sogenannter Diamantstaub) schweben nahezu waagerecht in der Luft und spiegeln das Licht von Straßenlaternen, Autoscheinwerfern oder Industrieanlagen. Der Betrachter sieht die Spiegelbilder vieler Kristalle in unterschiedlichen Höhen übereinander; daraus entsteht der Eindruck einer senkrechten Säule. Es steigt kein Lichtstrahl auf. Die Säule ist eine Täuschung aus tausenden Einzelreflexen. Bei tief stehender Sonne entsteht dasselbe als Sonnensäule. Lichtsäulen gehören zu den häufigsten Erklärungen für winterliche Ufo-Meldungen. Regelmäßig zu sehen in Kanada, Alaska, Skandinavien und Russland; in Mitteleuropa selten und nur bei strengem Frost.

Quelle: Les Cowley, „Atmospheric Optics" (atoptics.co.uk), das Standardwerk im Netz zu Halo- und Lichtsäulenerscheinungen. Flache, sechseckige Eisplättchen, der sogenannte Diamantstaub, schweben nahezu waagerecht und spiegeln das Licht einer Quelle. Die Säule ist die Summe vieler Einzelspiegelungen in verschiedenen Höhen, kein aufsteigender Strahl.

Seite 51 · Fakt 8

Wer zündet den Bock an?

Seit 1966 wird am ersten Adventssonntag auf dem Schlossplatz von Gävle ein Riesenbock aus Stroh aufgestellt, rund 13 Meter hoch und etwa 3,6 Tonnen schwer. Der erste brannte schon in der Silvesternacht 1966 ab; seither wurde er etwa vierzigmal zerstört. Es gibt Zäune, Wachpersonal, Flammschutzmittel und seit den 1990er-Jahren eine Webcam. 2005 schossen als Weihnachtsmann und Lebkuchenmann verkleidete Täter brennende Pfeile auf ihn. Buchmacher haben zeitweise Wetten auf sein Überleben angenommen. Nicht alle Fälle blieben ungeklärt. 2001 wurde ein amerikanischer Besucher überführt und verurteilt; die Mehrzahl der Brände ist aber nie aufgeklärt worden. Hintergrund: Der Julbock ist ein altes skandinavisches Weihnachtssymbol. Vor dem Weihnachtswichtel Tomte war es der Ziegenbock, der die Geschenke brachte.

Quelle: Visit Gävle, offizielle Chronik des Julbocks, und Smithsonian Magazine. Seit 1966 wird der Strohbock am ersten Adventssonntag auf dem Schlossplatz aufgestellt; der erste brannte in der Silvesternacht 1966 ab. 2001 wurde ein amerikanischer Besucher überführt und verurteilt; die Mehrzahl der Brände blieb ungeklärt.

🎉YEAH! · Fakten zum Jubeln

Acht Antworten auf die Frage, warum es dieses Fest überhaupt gibt.

Seite 53 · Fakt 1

Der Geburtstag im Stall

In der Bibel steht kein Geburtsdatum, weder Tag noch Monat noch Jahr. Der 25. Dezember ist erstmals im 4. Jahrhundert bezeugt; warum dieser Tag gewählt wurde, ist unter Fachleuten bis heute umstritten. Diskutiert werden die Nähe zur Wintersonnenwende, die Ablösung römischer Feste und eine Berechnung ausgehend vom angenommenen Empfängnisdatum. Unsere Jahreszählung geht auf den Mönch Dionysius Exiguus zurück, der sie im Jahr 525 von der Geburt Jesu aus berechnete. Nach heutigem Forschungsstand lag er dabei um einige Jahre daneben. Die Geburt wird meist auf 7 bis 4 vor unserer Zeitrechnung datiert.

Quelle: Der „Chronograph von 354", ein römischer Kalender des Schreibers Furius Dionysius Filocalus, trägt zum 25. Dezember den Eintrag Natus Christus in Betleem Iudeae. Er gilt als früheste erhaltene Bezeugung und spiegelt römische Praxis mindestens seit 336. Zur Jahreszählung: Dionysius Exiguus stellte 525 seine Ostertafel auf und rechnete dabei von der Geburt Jesu aus. Die neutestamentliche Forschung datiert die Geburt heute meist auf die Jahre 7 bis 4 vor unserer Zeitrechnung.

Seite 54 · Fakt 2

Als es Weihnachten noch nicht gab

Die Römer feierten vom 17. Dezember an die Saturnalien, das Fest des Gottes Saturn; später dauerten sie bis zum 23. Dezember. Man schenkte sich Wachskerzen (cerei) und kleine Figuren aus Ton oder Teig (sigillaria). Die letzten Festtage hießen nach ihnen sogar Sigillaria. Dazu: Schulen und Gerichte geschlossen, Häuser mit Grün geschmückt, und die gesellschaftliche Ordnung wurde für ein paar Tage umgekehrt. Herren bedienten ihre Sklaven. Das Fest ist älter als das Weihnachtsfest. Ob und wie stark die Saturnalien den 25. Dezember beeinflusst haben, ist unter Fachleuten umstritten; dass im Dezember beschenkt wurde, bevor es Weihnachten gab, ist es nicht.

Quelle: „Encyclopaedia Romana" (James Grout, University of Chicago), Abschnitt Saturnalia; als antike Quelle Macrobius, „Saturnalia". Das Fest dauerte vom 17. bis 23. Dezember. Geschenkt wurden Wachskerzen (cerei) und Figuren aus Ton oder Teig (sigillaria); der letzte Festtag hieß nach ihnen Sigillaria. Gerichte und Schulen blieben geschlossen, Häuser wurden mit Grün geschmückt, und die Ordnung wurde zeitweise umgekehrt: Herren bedienten ihre Sklaven.

Seite 55 · Fakt 3

Das Gold im Strumpf

Nikolaus von Myra wurde um 280 in Lykien geboren, in der heutigen Türkei, und war schon in jungen Jahren Bischof. Der Legende nach hatte ein verarmter Mann drei Töchter, für die er keine Mitgift aufbringen konnte; Nikolaus warf ihnen in drei Nächten heimlich je einen Goldklumpen durchs offene Fenster. Das Gold landete in den Strümpfen, die zum Trocknen am Kamin hingen. Daraus wurden der Nikolausstiefel und der Weihnachtsstrumpf. Auf Darstellungen trägt Nikolaus deshalb drei goldene Kugeln, eine je Tochter. (Der in der Legende genannte Grund für die Notlage der Töchter ist für ein Kinderbuch nicht geeignet und im Text bewusst weggelassen.)

Quelle: St. Nicholas Center und Encyclopædia Britannica zum heiligen Nikolaus, geboren in Patara in Lykien zwischen 261 und 280, später Bischof von Myra. Die Legende von den drei Töchtern und den drei Goldklumpen durchs Fenster steht in der „Legenda aurea" des Jacobus de Voragine (13. Jahrhundert). Aus den drei Goldbeuteln wurden in der Darstellung die drei goldenen Kugeln, aus den Strümpfen am Kamin der Nikolausstiefel.

Seite 56 · Fakt 4

Die Geschenke ziehen um

Bis ins 16. Jahrhundert war der 6. Dezember der Bescherungstag. Im Zuge der Reformation lehnten die Reformatoren die Heiligenverehrung ab; die Gabenbringung wurde auf den 24./25. Dezember verlegt und dem Christkind zugeschrieben. In Straßburg wurden die Nikolausumzüge 1570 verboten. (Ob Martin Luther das Christkind „erfunden" hat, ist unter Fachleuten umstritten und steht deshalb nicht im Buch.) Die Ironie der Geschichte: Heute bringt das Christkind die Geschenke vor allem in katholisch geprägten Gegenden, der Weihnachtsmann dagegen in evangelisch geprägten, fast genau umgekehrt zur ursprünglichen Absicht.

Quelle: Zur Verlegung der Bescherung: Mit der Reformation lehnten die Reformatoren die Heiligenverehrung ab, die Gabenbringung wanderte vom 6. Dezember auf den 24./25. Dezember und wurde dem Christkind zugeschrieben. In Straßburg trat 1570 der Christkindelsmärik an die Stelle des Klausenmarkts, nachdem der lutherische Prediger Johann Flinner gegen die Heiligenverehrung gepredigt hatte und der Rat der Einundzwanzig den Nikolausmarkt verboten hatte.

Seite 57 · Fakt 5

Tausend Glocken im Dunkeln

Das Klausjagen in Küssnacht am Rigi ist einer der größten Nikolausbräuche der Schweiz. Zuerst löschen die Häuser ihre Lichter, dann eröffnen Geisslechlöpfer den Umzug mit Peitschenknallen. Es folgen rund zweihundert Iffelen, bis zu zwei Meter hohe Bischofsmützen aus Karton und Seidenpapier, von innen mit Kerzen beleuchtet und durchbrochen wie Kirchenfenster. Dahinter ziehen der Sankt Nikolaus mit seinen Begleitern, fast tausend Trychler mit großen Kuhglocken im gleichmäßigen Takt und zuletzt die Hornbläser. (Das Klausjagen steht im schweizerischen Verzeichnis der lebendigen Traditionen, nicht auf einer UNESCO-Liste; diese Verwechslung ist verbreitet.) Der Hauptumzug beginnt am 5. Dezember um 20.15 Uhr. Fällt dieser Tag auf einen Samstag oder Sonntag, wird das Klausjagen am Freitag davor durchgeführt.

Quelle: Verzeichnis der lebendigen Traditionen der Schweiz (lebendigetraditionen.ch) zum Küssnachter Klausjagen. Geisslechlöpfer eröffnen den Umzug, es folgen rund zweihundert Iffelen, dann Sankt Nikolaus mit Begleitern, fast tausend Trychler und zuletzt die Hornbläser. Das Klausjagen steht auf der schweizerischen Liste, nicht auf einer UNESCO-Liste. St. Niklausengesellschaft Küssnacht am Rigi (klausjagen.ch), Angaben der Veranstalter: Hauptumzug am 5. Dezember, 20.15 Uhr; fällt der Tag auf einen Samstag oder Sonntag, wird am vorangehenden Freitag gefeiert.

Seite 58 · Fakt 6

Eine Million Briefe

Das Weihnachtsmann-Hauptpostamt in Rovaniemi in Finnisch-Lappland liegt direkt am Polarkreis und ist seit 1985 in Betrieb; seither sind dort über fünfzehn Millionen Briefe aus 198 Ländern eingegangen. Jede Sendung von dort trägt den offiziellen Polarkreis-Stempel. In Kanada hat der Weihnachtsmann seit 1982 die Postleitzahl H0H 0H0, gesprochen wie „Ho ho ho"; über eine Million Briefe im Jahr, jeder in der Sprache beantwortet, in der er geschrieben wurde. In Deutschland gibt es sieben Weihnachtspostfilialen. Himmelpfort ist mit rund 300 000 Wunschzetteln die größte, Engelskirchen antwortet seit 1985 als Christkind. 2021 wurden zusammen rund 648 850 Kinderbriefe beantwortet, von etwa 170 meist freiwilligen Helferinnen und Helfern. In Österreich schreibt das Christkind aus dem Ort Christkindl, in der Schweiz beantwortet die Post die Briefe zentral. Wohin dein Kind schreiben kann: Der Kindertext lädt zum Schreiben ein. Damit du nicht suchen musst, stehen die Adressen hier.

WohinAdresse
FinnlandSanta Claus, Santa Claus' Main Post Office, 96930 Arctic Circle, Finnland
KanadaSanta Claus, North Pole H0H 0H0, Canada
Deutschland, WeihnachtsmannAn den Weihnachtsmann, Weihnachtspostfiliale, 16798 Himmelpfort
Deutschland, ChristkindAn das Christkind, 51777 Engelskirchen
ÖsterreichAn das Christkind, Christkindlweg 6, 4411 Christkindl
Schweiz„An das Christkind" oder „An den Weihnachtsmann", ohne weitere Angaben. Die Post sammelt die Briefe zentral. Wichtig ist nur die Absenderadresse des Kindes.

Quelle: Posti Finnland zum Weihnachtsmann-Hauptpostamt in Rovaniemi: seit 1985 in Betrieb, seither über fünfzehn Millionen Briefe aus 198 Ländern. Zu Deutschland die Deutsche Post: sieben Weihnachtspostfilialen, Himmelpfort mit rund 300 000 Wunschzetteln die größte, begonnen 1984; Engelskirchen antwortet seit 1985 als Christkind. 2021 wurden zusammen rund 648 850 Kinderbriefe beantwortet.

Seite 59 · Fakt 7

Auf Rollschuhen zur Kirche

Die Patinatas gibt es seit den 1950er Jahren, vor allem in Caracas. Vom 16. bis 24. Dezember wird nachts und in den frühen Morgenstunden Rollschuh gefahren; anschließend geht es zur Frühmesse um fünf oder sechs Uhr. Ganze Stadtviertel sperren ihre Straßen bis acht Uhr morgens für Autos. Viele Kinder bekommen zu Weihnachten Rollschuhe, Fahrräder oder Skateboards geschenkt, und bei tropischem Klima wird der Weihnachtstag im Freien verbracht. Der Brauch mit der Schnur: Vor dem Schlafengehen binden die Kinder ein Stück Schnur an den großen Zeh und hängen das andere Ende aus dem Fenster. Am Morgen ziehen die vorbeifahrenden Rollschuhläufer an jeder Schnur, die sie sehen.

Der Brauch ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, bedingt durch Kriminalität und die politische Lage; er wird deshalb im Buch nicht als überall selbstverständlich dargestellt.

Quelle: Zu den Patinatas: Der Brauch entstand in den 1950er Jahren, vor allem in Caracas. Vom 16. bis 24. Dezember fahren Familien nachts und am frühen Morgen Rollschuh und gehen anschließend zur Frühmesse um fünf oder sechs Uhr; die Stadt sperrt dafür Hauptstraßen. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Brauch wegen Kriminalität und politischer Lage stark zurückgegangen. Überliefert, nicht belegt: die Schnur, die Kinder sich vor dem Schlafengehen an den großen Zeh binden und aus dem Fenster hängen, damit die vorbeifahrenden Rollschuhläufer daran ziehen. Diese Einzelheit wird in vielen Darstellungen erzählt, ich habe sie aber in keiner venezolanischen Quelle bestätigt gefunden. Dasselbe gilt für die Sperrung „bis acht Uhr morgens".

Seite 60 · Fakt 8

Ein Fest in vielen Sprachen

Weihnachten wird in rund 160 Ländern begangen; in etwa 154 davon ist der 25. Dezember ein gesetzlicher Feiertag. Bei etwa 195 Staaten weltweit sind das gut vier Fünftel. Nicht überall fällt es auf denselben Tag: Der Großteil der orthodoxen Kirchen feiert nach dem julianischen Kalender am 6./7. Januar. In Ländern ohne christliche Mehrheit, etwa in Japan, ist Weihnachten kein religiöses Fest, wird aber als Familien- oder Paarfest gefeiert. Auf der Südhalbkugel, in Australien, Brasilien oder Venezuela, fällt Weihnachten in den Hochsommer.

Quelle: Übersichten zu den Feiertagen weltweit: Rund 160 der etwa 195 Staaten begehen Weihnachten in irgendeiner Form, in mindestens 154 ist der 25. Dezember gesetzlicher Feiertag. Der Großteil der orthodoxen Kirchen feiert nach dem julianischen Kalender am 6./7. Januar.

🤔HM? · Fakten zum Nachdenken

Acht Fragen. Auf manche gibt es bis heute keine Antwort.

Seite 62 · Fakt 1

Schiefe Erde

Anfang Januar, meist zwischen dem 2. und 5., erreicht die Erde ihren sonnennächsten Punkt: rund 147 Millionen Kilometer. Anfang Juli ist sie am weitesten entfernt, rund 152 Millionen Kilometer, ein Unterschied von etwa fünf Millionen Kilometern. Trotzdem liegt bei uns dann der kälteste Monat. Der Grund ist die Neigung der Erdachse um 23,4 Grad: Die Nordhalbkugel lehnt sich im Winter von der Sonne weg, das Licht trifft flacher auf und verteilt sich auf eine größere Fläche. Der Taschenlampen-Versuch zeigt genau das: bei schrägem Einfall wird derselbe Lichtkegel zu einem größeren, blasseren Fleck.

Quelle: United States Naval Observatory, „The Seasons and the Earth's Orbit". Im Perihel Anfang Januar ist die Erde rund 147,1 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, im Aphel Anfang Juli rund 152,1 Millionen; der Unterschied beträgt etwa fünf Millionen Kilometer. Die Jahreszeiten entstehen nicht aus dem Abstand, sondern aus der Neigung der Erdachse von 23,4 Grad.

Seite 63 · Fakt 2

Die längste Nacht

Die Wintersonnenwende fällt auf den 21. oder 22. Dezember und ist auf der Nordhalbkugel der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Der lateinische Name Solstitium setzt sich zusammen aus sol (Sonne) und sistere (stillstehen). Und das ist keine Metapher: Um die Sonnenwende herum verändert sich die Mittagshöhe der Sonne über mehrere Tage hinweg nur noch minimal, bevor sie umkehrt und wieder zu steigen beginnt. Das lässt sich nachmessen. Der Name beschreibt eine Beobachtung, keine Stimmung.

Quelle: Zum Wort Solstitium aus lateinisch sol (Sonne) und sistere (stillstehen): Um die Sonnenwende ändert sich die Mittagshöhe der Sonne über mehrere Tage nur noch minimal, bevor sie umkehrt. Der Name beschreibt damit eine Beobachtung. Die Wintersonnenwende fällt auf den 21. oder 22. Dezember.

Seite 64 · Fakt 3

Die besonderen Nächte

Weihnachten geht auf das mittelhochdeutsche „ze den wîhen nahten" zurück, Dativ Plural von wîh naht, „geweihte Nacht". wîh bedeutete heilig; das Wort steckt noch in weihen und Weihwasser. Die Mehrzahlform hat sich bis heute gehalten. Deshalb heißt das Fest „Weihnachten" und nicht „Weihnacht". Als früheste Belegstelle gilt gewöhnlich eine Predigt aus der Zeit um 1170. Mit den geweihten Nächten sind üblicherweise die Zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar gemeint, auch Rauhnächte genannt.

Genauigkeitsgrad: Dass die Form ein Plural ist, ist gesichert. Dass sich der Plural auf genau diese zwölf Nächte bezieht, ist die übliche Erklärung, aber weniger fest belegt als der sprachliche Befund.

Quelle: „Etymologisches Wörterbuch des Deutschen" (DWDS), Eintrag Weihnachten: aus mittelhochdeutsch diu wîhe naht beziehungsweise ze (den) wîhen nahten, Dativ Plural. wîh bedeutete heilig und steckt noch in weihen und Weihwasser. Als früheste Belegstelle gilt die Predigtsammlung „Speculum ecclesiae" aus der Zeit um 1170. Aus dem Dativ Plural stammt das End-n, deshalb heißt das Fest „Weihnachten".

Seite 65 · Fakt 4

Weihnachten hat viele Namen

Christmas von altenglisch Crīstesmæsse, „Christmesse", der Gottesdienst zur Geburt Christi. Noël aus dem Lateinischen (dies) natalis, „Geburtstag"; dieselbe Wurzel steckt im spanischen Navidad und im italienischen Natale. Jul (altnordisch jól, im Gotischen als fruma jiuleis bezeugt) ist ein vorchristliches Mittwinterfest und damit älter als das Weihnachtsfest; das Wort wurde später auf dieses übertragen und lebt im englischen Yule weiter. Seine ursprüngliche Bedeutung ist bis heute sprachwissenschaftlich umstritten. Weihnachten siehe Elternseite zu Fakt 3.

Quelle: Zu den Namen: Christmas aus altenglisch Crīstesmæsse, „Christmesse". Noël aus lateinisch (dies) natalis, „Geburtstag"; dieselbe Wurzel im spanischen Navidad und im italienischen Natale. Zu Jul die Bayerische Akademie der Wissenschaften, Beitrag „Wortweise: Früher war mehr Jul": altnordisch jól, im Gotischen als fruma jiuleis bezeugt, ein vorchristliches Mittwinterfest, dessen ursprüngliche Bedeutung bis heute umstritten ist; es lebt im englischen Yule weiter.

Seite 66 · Fakt 5

Der Stern über Bethlehem

Die am häufigsten genannte Erklärung ist eine dreifache Begegnung von Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus im Sternbild Fische. Dagegen spricht: Die beiden Planeten kamen einander nie nahe genug, um als ein Stern zu erscheinen, und in der biblischen Erzählung ist stets nur von einem die Rede. Komet und Nova haben ein anderes Problem: Sie würden nicht mehrfach erscheinen, während der Stern in der Erzählung zuerst gesehen wird, verschwindet und wieder auftaucht. Bewiesen ist keine dieser Erklärungen.

Quelle: Zur dreifachen Begegnung von Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus im Sternbild Fische (28./29. Mai, 29./30. September, 4./5. Dezember): Die beiden Planeten standen nie deutlich weniger als ein Grad auseinander, erschienen also nie als ein Stern. Die babylonischen Aufzeichnungen lassen kein besonderes Interesse an dem Ereignis erkennen. Komet und Nova scheitern an einem anderen Punkt: Sie erscheinen nicht mehrfach. Bewiesen ist keine der Erklärungen.

Seite 67 · Fakt 6

Wie der Stern zu seinem Schweif kam

Giotto di Bondone (etwa 1267–1337) malte um 1303–1305 in der Scrovegni-Kapelle in Padua das Fresko „Anbetung der Könige" und stellte den Stern von Bethlehem als Kometen mit Schweif dar, die erste bekannte Darstellung dieser Art. 1301 war der Halleysche Komet über Europa zu sehen; die Kunstgeschichte geht davon aus, dass er Giottos Vorbild war. (Giotto selbst hat sich dazu nicht geäußert; die Zuordnung ist eine Schlussfolgerung.) Seither ist der Schweifstern das übliche Weihnachtsmotiv. Die europäische Raumsonde Giotto startete 1985 und flog am 14. März 1986 in rund 600 Kilometern Abstand am Kern des Halleyschen Kometen vorbei. Sie lieferte die ersten Nahaufnahmen eines Kometenkerns überhaupt. Benannt wurde sie nach dem Maler.

Quelle: ESA Science & Technology, „Giotto di Bondone" und „Adoration of the Magi", sowie ESA, „Giotto overview". Giotto malte das Fresko um 1303 bis 1305 in der Scrovegni-Kapelle in Padua; im Oktober 1301 war der Halleysche Komet über Europa zu sehen. Die europäische Raumsonde Giotto flog in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1986 in 596 Kilometern Abstand am Kern des Halleyschen Kometen vorbei und lieferte die ersten Nahaufnahmen eines Kometenkerns. Benannt wurde sie nach dem Maler.

Seite 68 · Fakt 7

Weihnachtsfrieden

An Heiligabend 1914 kam es an der Westfront zu spontanen Waffenruhen. Auf mindestens zwei Dritteln der von britischen Truppen gehaltenen Frontabschnitte sind Verbrüderungen dokumentiert, von britischer wie von deutscher Seite. Auslöser war vielerorts Gesang: Soldaten hörten aus dem gegnerischen Graben ein Weihnachtslied, erkannten die Melodie und sangen in ihrer eigenen Sprache mit. Danach trafen sich Männer im Niemandsland, tauschten Zigaretten, Abzeichen, Knöpfe und Essen und begruben gemeinsam ihre Toten.

Zwei Einschränkungen, die im Buch ausdrücklich stehen: Es geschah nicht überall, und der Krieg ging weiter. Die Verlustzahlen dieser Tage belegen das.
Das berühmte Fußballspiel ist unter Historikern umstritten. Viele überlieferte Erwähnungen betreffen Spiele, die angeboten und nicht angenommen wurden, oder Gerüchte aus dritter Hand. Es kommt im Buch nicht vor.

Quelle: Malcolm Brown und Shirley Seaton, „Christmas Truce: The Western Front December 1914". Brown war Historiker am Imperial War Museum in London; die Darstellung stützt sich auf Kriegstagebücher, Briefe, Zeitungen und Gespräche mit Beteiligten. Die Waffenruhe erstreckte sich über mindestens zwei Drittel der britischen Frontlinie.

Seite 69 · Fakt 8

Die verbotenen Briefe

Briefe an den Weihnachtsmann galten der Post lange als unzustellbar. In den USA landeten sie im Dead Letter Office und wurden vernichtet. Es gab keine rechtliche Grundlage, sie weiterzugeben oder zu beantworten. Postbedienstete, die den Kindern trotzdem antworten wollten, taten das gegen die Vorschrift. 1911 erlaubte der amerikanische Postminister Frank Hitchcock den Postämtern, die Briefe an Hilfsorganisationen und Privatleute herauszugeben, die die Wünsche erfüllen wollten. Daraus wurde ein Programm, das es bis heute gibt.

Wichtig: Die deutschen Weihnachtspostfilialen haben eine eigene, unabhängige Geschichte. Himmelpfort begann 1984, weil ein Kinderbrief dort ankam, Engelskirchen 1985. Sie stammen nicht aus der amerikanischen Geschichte. Wie viele Briefe heute beantwortet werden, steht auf der Elternseite zu Kapitel 6, Fakt 6.
Dazu passt: Wo die Briefe heute landen, steht auf Seite 58.

Quelle: United States Postal Service, eigene Geschichtsdarstellung zu den Briefen an den Weihnachtsmann: Sie galten lange als unzustellbar und landeten im Dead Letter Office. 1911 erlaubte Postminister Frank Hitchcock den Postämtern, sie an Hilfsorganisationen und Privatleute herauszugeben. Daraus wurde das Programm „Operation Santa". Die deutschen Weihnachtspostfilialen haben eine eigene Geschichte: Himmelpfort seit 1984, Engelskirchen seit 1985.

🎁Noch acht Geheimnisse · das Bonusheft

Acht Fakten haben es nicht ins Buch geschafft. Nicht weil sie schwächer wären, sondern weil kein Platz mehr war. Sie stehen in einem eigenen kleinen Heft zum Ausdrucken, genauso gebaut wie das Buch: farbige Silben, kurze Zeilen, nach jedem Fakt ein Rätsel oder ein Erzählauftrag.

Hier unten steht wie überall, was hinter jedem dieser acht Fakten steckt und woher er stammt. Das Heft selbst kannst du dir hier für 0 Euro herunterladen.

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Bonusheft · Fakt 1 · WOW!

Winteraugen

Hinter der Netzhaut liegt bei vielen Tieren eine spiegelnde Schicht, das Tapetum lucidum. Sie wirft einfallendes Licht ein zweites Mal durch die Netzhaut und verbessert dadurch das Sehen in der Dämmerung. Bei arktischen Rentieren ist dieser Spiegel im Sommer goldgelb und im Winter tiefblau.

Als Ursache gilt der Druck im Auge. In der monatelangen Dunkelheit bleibt die Pupille dauerhaft weit gestellt, dadurch fließt weniger Flüssigkeit ab, der Druck steigt und presst die Kollagenfasern im Tapetum enger zusammen. Der geringere Abstand spiegelt kürzere Wellenlängen zurück, also Blau.

Das blaue Auge wirft weniger Licht nach außen und streut mehr davon auf die Sehzellen. Die Netzhaut wird dadurch empfindlicher, die Bilder allerdings unschärfer. Es ist der erste bei einem Säugetier nachgewiesene Farbwechsel dieser Art.

Eine Folgearbeit derselben Zeitschrift von 2022 zeigt, dass das Winterblau auf das blaue Dämmerlicht der arktischen Polarnacht abgestimmt ist.

Quelle: Stokkan, K.-A., Folkow, L., Dukes, J. u. a. (2013): „Shifting mirrors: adaptive changes in retinal reflections to winter darkness in Arctic reindeer“. Proceedings of the Royal Society B 280, Nr. 1773. Entstanden unter Leitung von Glen Jeffery, University College London. Folgearbeit: Proceedings of the Royal Society B 289 (2022), Nr. 20221002.

Bonusheft · Fakt 2 · WOW!

Riesige Sterne aus Papier

Das Fest heißt Ligligan Parul, auf Deutsch etwa Laternenwettstreit. Es findet in San Fernando in der Provinz Pampanga statt, rund sechzig Kilometer nördlich von Manila. Die Stadt nennt sich deshalb die Weihnachtshauptstadt der Philippinen.

Angetreten wird nach Stadtteilen, den sogenannten Barangays. Die Wettbewerbslaternen messen etwa fünf bis sechs Meter im Durchmesser und tragen 7 000 bis 10 000 Glühlämpchen.

Ihre Muster entstehen nicht durch Steuerungselektronik, sondern durch von Hand gebaute Walzen mit Kontakten, die die Lämpchen in Wellen ein- und ausschalten, abgestimmt auf philippinische Weihnachtslieder. Der Wettbewerb findet Mitte Dezember statt, traditionell am Samstag vor Heiligabend.

Der Parol geht auf die kleine Sternlaterne zurück, mit der Familien überlieferungsgemäß den Weg zur Frühmesse in der Adventszeit ausleuchteten. Die Sternform verweist auf den Stern von Betlehem.

Quelle: Giant Lantern Festival (Ligligan Parul), San Fernando, Pampanga. Angaben nach dem philippinischen Tourismusministerium (tourism.gov.ph) und Wikipedia, „Giant Lantern Festival“.

Bonusheft · Fakt 3 · HM?

Ein Wagenrad als Adventskranz

Der erste belegte Adventskranz hing am ersten Advent 1839 im Rauhen Haus in Hamburg, einer Einrichtung für arme und verwahrloste Kinder, die der damals einunddreißigjährige Theologe Johann Hinrich Wichern gegründet hatte.

Der Kranz war aus Holz und ungefähr so groß wie ein Wagenrad. Er trug vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und achtzehn bis vierundzwanzig kleine rote für die Werktage, zusammen also zwischen 22 und 28. Die Zahl schwankt, weil der Advent je nach Jahr unterschiedlich lang ist. Ab 1860 kamen Tannenzweige und weiße Bänder dazu.

Von den vielen Kerzen sind heute nur die vier Sonntagskerzen übrig. Das tägliche Abzählen ist aus dem Kranz verschwunden und im Adventskalender wieder aufgetaucht.

Hervorgegangen ist der Kalender allerdings nicht aus dem Kranz, sondern aus anderen Bräuchen derselben Zeit, etwa dem täglichen Kreidestrich an der Wand. Den ersten gedruckten Adventskalender gab der Münchner Verleger Gerhard Lang 1908 heraus, Türchen zum Öffnen kamen ab 1920 dazu.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg, „Der Wichernkranz. Vier Kerzen erobern die Welt“. Ergänzend Wikipedia, „Adventskranz“ und „Gerhard Lang (Verleger)“.

Bonusheft · Fakt 4 · AAHH!

Was schenkt man ohne Geld?

Johannes Kepler war Kaiserlicher Mathematiker am Hof Rudolfs II. in Prag. Sein Gehalt wurde von der klammen Hofkasse oft nicht ausgezahlt, und so hatte er zum Neujahr 1611 kein Geschenk für seinen Freund und Förderer Johannes Matthäus Wackher von Wackenfels.

Stattdessen schrieb er ihm eine kleine Abhandlung: „Strena seu de nive sexangula“, auf Deutsch „Neujahrsgeschenk oder Vom sechseckigen Schnee“. Darin fragt er, warum Schneeflocken immer sechs Ecken haben, und untersucht, wie sich gleich große Körper möglichst dicht stapeln lassen, an Granatapfelkernen, Bienenwaben und aufgeschichteten Kanonenkugeln.

Beantworten konnte er die Frage nicht, und er wusste das. Am Schluss verwarf er jede Erklärung, die er selbst gefunden hatte, schrieb die Sechseckigkeit ersatzweise einer formenden Kraft der Erde zu und übergab das Problem ausdrücklich den Chemikern.

Die Erklärung, die im Buch in Kapitel 4 steht, kam rund dreihundert Jahre später und brauchte die Vorstellung von Molekülen, die Kepler noch fehlte. Die Schrift gilt heute als die erste wissenschaftliche Arbeit zur Kristallografie; die darin nebenbei aufgeworfene Stapelfrage, Keplers Vermutung über die dichteste Kugelpackung, beschäftigte die Mathematik bis 1998.

Quelle: Kepler, J. (1611): „Strena seu de nive sexangula“. Digitalisat im Internet Archive. Einordnung nach der Kristallografie-Ausstellung der University of Illinois und St Edmund Hall, Oxford.

Bonusheft · Fakt 5 · AAHH!

Ein Baum reist über das Meer

Seit 1947 schenkt die Stadt Oslo der Stadt London jedes Jahr eine Fichte für den Trafalgar Square, als Dank für die britische Unterstützung Norwegens im Zweiten Weltkrieg.

Es muss eine Gemeine Fichte (Picea abies) sein, die von selbst im Osloer Stadtwald gewachsen ist, meist fünfzig bis sechzig Jahre alt und über zwanzig Meter hoch. Manche Bäume werden über Jahrzehnte gezielt für diesen Zweck gepflegt; die Planung reicht fünfzig bis sechzig Jahre voraus. Der Baum muss zudem nah genug an einem Waldweg stehen, damit Kran und Lastwagen herankommen.

Gefällt wird er im November in einer kleinen Zeremonie, bei der der britische Botschafter in Norwegen, der Bürgermeister von Oslo und der Lord Mayor of Westminster dabei sind. Angezündet wird er am ersten Donnerstag im Dezember.

Geschmückt ist er auf norwegische Art, mit senkrecht herabhängenden Lichterketten statt spiralförmig gewundenen.

Quelle: Stadt Oslo, „The Trafalgar Square Christmas tree“ (oslo.kommune.no). Ergänzend Wikipedia, „Trafalgar Square Christmas tree“.

Bonusheft · Fakt 6 · YEAH!

Wer findet die Mandel?

Risalamande ist das dänische Weihnachtsdessert, serviert am Abend des 24. Dezember nach dem Festessen: kalter Milchreis, vermischt mit Schlagsahne, Vanille und gehackten Mandeln, dazu heiße Kirschsauce.

In die große Schüssel kommt zusätzlich eine einzige ganze, blanchierte Mandel. Wer sie auf dem Teller findet, bekommt die mandelgave, das Mandelgeschenk, traditionell ein kleines Marzipanschwein. Weil der Fund das Essen beenden würde, behalten viele ihn zunächst für sich, damit weitergelöffelt wird.

Ähnliche Bräuche kennen Norwegen und Schweden mit risgrøt beziehungsweise risgrynsgröt.

Die Sahne im Rezept wird meist damit erklärt, dass Reis im Zweiten Weltkrieg knapp war und der Milchreis gestreckt werden musste.

Quelle: Wikipedia, „Mandelgave“ und „Risalamande“. Ergänzend dänische Rezeptliteratur zum Weihnachtsdessert.

Bonusheft · Fakt 7 · YEAH!

Zwei ziehen, einer gewinnt

Das Knallbonbon, englisch Christmas cracker, geht auf den Londoner Bäcker und Konditor Tom Smith (1823 bis 1869) zurück. In Paris hatte er den französischen Brauch gesehen, Zuckermandeln in gedrehtes Papier zu wickeln und einen Spruch beizulegen.

Diese Idee brachte er 1847 in seinen Laden in Clerkenwell mit und legte kleine Liebesbotschaften bei. Verkauft wurden die ersten unter dem Namen Cosaques.

Der Knall kam später dazu. Der Überlieferung nach kam ihm der Einfall, als er zu Hause ein Scheit ins Feuer warf. Das Verfahren meldete er 1847 an und verbesserte es in den 1860er Jahren. Die Papierkrone führte erst sein Sohn Walter ein, nach Toms Tod.

Den Knall erzeugt ein schmaler Kartonstreifen mit einer reibungsempfindlichen Substanz, der beim Auseinanderziehen an einem zweiten vorbeischrammt. Seit 1910 beliefert das Unternehmen den britischen Königshof.

Quelle: Wikipedia, „Tom Smith (confectioner)“. Ergänzend Historic England, „How did sweets and fire lead to the invention of the Christmas cracker?“ und die Firmengeschichte auf tomsmithcrackers.co.uk.

Bonusheft · Fakt 8 · OOHH!

Zweimal Geschenke

Die Befana ist eine italienische Sagengestalt, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar Geschenke bringt, zusätzlich zur Bescherung an Weihnachten. Die kommt in Italien von Babbo Natale, dem Weihnachtsmann, in der Nacht auf den 25. Dezember.

Die Befana bringt am Dreikönigstag Süßigkeiten und Kleinigkeiten im Strumpf. Unartige Kinder bekommen Kohle, allerdings nie echte, sondern carbone dolce, eine schwarz eingefärbte Zuckermasse. Der Name Befana leitet sich von Epifania ab, dem Fest der Erscheinung des Herrn.

Der 6. Januar ist in ganz Italien gesetzlicher Feiertag und die Befana landesweit bekannt. Ursprünglich war sie aber vor allem in Mittel- und Süditalien verwurzelt; im Norden, etwa in Verona und Bergamo, bringt Santa Lucia am 13. Dezember die Geschenke. Mit dem 6. Januar endet in Italien die Weihnachtszeit.

Bei uns: Der Dreikönigstag ist in Österreich landesweit Feiertag, in Deutschland nur in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt, in der Schweiz in Schwyz, Uri, im Tessin und in Teilen Graubündens. Verbreitet sind das Sternsingen und, in der Schweiz, der Dreikönigskuchen mit der versteckten Königsfigur.

Quelle: Wikipedia, „Befana“ und „Heilige Drei Könige“. Feiertagsangaben nach den Regelungen der Bundesländer und Kantone.

Die anderen Bücher

Alle Bücher der Reihe sind gleich gebaut. Nur das Thema wechselt.