🎁Noch acht Geheimnisse · das Bonusheft
Acht Fakten haben es nicht ins Buch geschafft. Nicht weil sie schwächer wären, sondern weil kein Platz mehr war. Sie stehen in einem eigenen kleinen Heft zum Ausdrucken, genauso gebaut wie das Buch: farbige Silben, kurze Zeilen, nach jedem Fakt ein Rätsel oder ein Erzählauftrag.
Hier unten steht wie überall, was hinter jedem dieser acht Fakten steckt und woher er stammt. Das Heft selbst kannst du dir hier für 0 Euro herunterladen.
Bonusheft kostenlos herunterladen
Bonusheft · Fakt 1 · WOW!
Winteraugen
Hinter der Netzhaut liegt bei vielen Tieren eine spiegelnde Schicht, das Tapetum lucidum. Sie wirft einfallendes Licht ein zweites Mal durch die Netzhaut und verbessert dadurch das Sehen in der Dämmerung. Bei arktischen Rentieren ist dieser Spiegel im Sommer goldgelb und im Winter tiefblau.
Als Ursache gilt der Druck im Auge. In der monatelangen Dunkelheit bleibt die Pupille dauerhaft weit gestellt, dadurch fließt weniger Flüssigkeit ab, der Druck steigt und presst die Kollagenfasern im Tapetum enger zusammen. Der geringere Abstand spiegelt kürzere Wellenlängen zurück, also Blau.
Das blaue Auge wirft weniger Licht nach außen und streut mehr davon auf die Sehzellen. Die Netzhaut wird dadurch empfindlicher, die Bilder allerdings unschärfer. Es ist der erste bei einem Säugetier nachgewiesene Farbwechsel dieser Art.
Eine Folgearbeit derselben Zeitschrift von 2022 zeigt, dass das Winterblau auf das blaue Dämmerlicht der arktischen Polarnacht abgestimmt ist.
Quelle: Stokkan, K.-A., Folkow, L., Dukes, J. u. a. (2013): „Shifting mirrors: adaptive changes in retinal reflections to winter darkness in Arctic reindeer“. Proceedings of the Royal Society B 280, Nr. 1773. Entstanden unter Leitung von Glen Jeffery, University College London. Folgearbeit: Proceedings of the Royal Society B 289 (2022), Nr. 20221002.
Bonusheft · Fakt 2 · WOW!
Riesige Sterne aus Papier
Das Fest heißt Ligligan Parul, auf Deutsch etwa Laternenwettstreit. Es findet in San Fernando in der Provinz Pampanga statt, rund sechzig Kilometer nördlich von Manila. Die Stadt nennt sich deshalb die Weihnachtshauptstadt der Philippinen.
Angetreten wird nach Stadtteilen, den sogenannten Barangays. Die Wettbewerbslaternen messen etwa fünf bis sechs Meter im Durchmesser und tragen 7 000 bis 10 000 Glühlämpchen.
Ihre Muster entstehen nicht durch Steuerungselektronik, sondern durch von Hand gebaute Walzen mit Kontakten, die die Lämpchen in Wellen ein- und ausschalten, abgestimmt auf philippinische Weihnachtslieder. Der Wettbewerb findet Mitte Dezember statt, traditionell am Samstag vor Heiligabend.
Der Parol geht auf die kleine Sternlaterne zurück, mit der Familien überlieferungsgemäß den Weg zur Frühmesse in der Adventszeit ausleuchteten. Die Sternform verweist auf den Stern von Betlehem.
Quelle: Giant Lantern Festival (Ligligan Parul), San Fernando, Pampanga. Angaben nach dem philippinischen Tourismusministerium (tourism.gov.ph) und Wikipedia, „Giant Lantern Festival“.
Bonusheft · Fakt 3 · HM?
Ein Wagenrad als Adventskranz
Der erste belegte Adventskranz hing am ersten Advent 1839 im Rauhen Haus in Hamburg, einer Einrichtung für arme und verwahrloste Kinder, die der damals einunddreißigjährige Theologe Johann Hinrich Wichern gegründet hatte.
Der Kranz war aus Holz und ungefähr so groß wie ein Wagenrad. Er trug vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und achtzehn bis vierundzwanzig kleine rote für die Werktage, zusammen also zwischen 22 und 28. Die Zahl schwankt, weil der Advent je nach Jahr unterschiedlich lang ist. Ab 1860 kamen Tannenzweige und weiße Bänder dazu.
Von den vielen Kerzen sind heute nur die vier Sonntagskerzen übrig. Das tägliche Abzählen ist aus dem Kranz verschwunden und im Adventskalender wieder aufgetaucht.
Hervorgegangen ist der Kalender allerdings nicht aus dem Kranz, sondern aus anderen Bräuchen derselben Zeit, etwa dem täglichen Kreidestrich an der Wand. Den ersten gedruckten Adventskalender gab der Münchner Verleger Gerhard Lang 1908 heraus, Türchen zum Öffnen kamen ab 1920 dazu.
Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg, „Der Wichernkranz. Vier Kerzen erobern die Welt“. Ergänzend Wikipedia, „Adventskranz“ und „Gerhard Lang (Verleger)“.
Bonusheft · Fakt 4 · AAHH!
Was schenkt man ohne Geld?
Johannes Kepler war Kaiserlicher Mathematiker am Hof Rudolfs II. in Prag. Sein Gehalt wurde von der klammen Hofkasse oft nicht ausgezahlt, und so hatte er zum Neujahr 1611 kein Geschenk für seinen Freund und Förderer Johannes Matthäus Wackher von Wackenfels.
Stattdessen schrieb er ihm eine kleine Abhandlung: „Strena seu de nive sexangula“, auf Deutsch „Neujahrsgeschenk oder Vom sechseckigen Schnee“. Darin fragt er, warum Schneeflocken immer sechs Ecken haben, und untersucht, wie sich gleich große Körper möglichst dicht stapeln lassen, an Granatapfelkernen, Bienenwaben und aufgeschichteten Kanonenkugeln.
Beantworten konnte er die Frage nicht, und er wusste das. Am Schluss verwarf er jede Erklärung, die er selbst gefunden hatte, schrieb die Sechseckigkeit ersatzweise einer formenden Kraft der Erde zu und übergab das Problem ausdrücklich den Chemikern.
Die Erklärung, die im Buch in Kapitel 4 steht, kam rund dreihundert Jahre später und brauchte die Vorstellung von Molekülen, die Kepler noch fehlte. Die Schrift gilt heute als die erste wissenschaftliche Arbeit zur Kristallografie; die darin nebenbei aufgeworfene Stapelfrage, Keplers Vermutung über die dichteste Kugelpackung, beschäftigte die Mathematik bis 1998.
Quelle: Kepler, J. (1611): „Strena seu de nive sexangula“. Digitalisat im Internet Archive. Einordnung nach der Kristallografie-Ausstellung der University of Illinois und St Edmund Hall, Oxford.
Bonusheft · Fakt 5 · AAHH!
Ein Baum reist über das Meer
Seit 1947 schenkt die Stadt Oslo der Stadt London jedes Jahr eine Fichte für den Trafalgar Square, als Dank für die britische Unterstützung Norwegens im Zweiten Weltkrieg.
Es muss eine Gemeine Fichte (Picea abies) sein, die von selbst im Osloer Stadtwald gewachsen ist, meist fünfzig bis sechzig Jahre alt und über zwanzig Meter hoch. Manche Bäume werden über Jahrzehnte gezielt für diesen Zweck gepflegt; die Planung reicht fünfzig bis sechzig Jahre voraus. Der Baum muss zudem nah genug an einem Waldweg stehen, damit Kran und Lastwagen herankommen.
Gefällt wird er im November in einer kleinen Zeremonie, bei der der britische Botschafter in Norwegen, der Bürgermeister von Oslo und der Lord Mayor of Westminster dabei sind. Angezündet wird er am ersten Donnerstag im Dezember.
Geschmückt ist er auf norwegische Art, mit senkrecht herabhängenden Lichterketten statt spiralförmig gewundenen.
Quelle: Stadt Oslo, „The Trafalgar Square Christmas tree“ (oslo.kommune.no). Ergänzend Wikipedia, „Trafalgar Square Christmas tree“.
Bonusheft · Fakt 6 · YEAH!
Wer findet die Mandel?
Risalamande ist das dänische Weihnachtsdessert, serviert am Abend des 24. Dezember nach dem Festessen: kalter Milchreis, vermischt mit Schlagsahne, Vanille und gehackten Mandeln, dazu heiße Kirschsauce.
In die große Schüssel kommt zusätzlich eine einzige ganze, blanchierte Mandel. Wer sie auf dem Teller findet, bekommt die mandelgave, das Mandelgeschenk, traditionell ein kleines Marzipanschwein. Weil der Fund das Essen beenden würde, behalten viele ihn zunächst für sich, damit weitergelöffelt wird.
Ähnliche Bräuche kennen Norwegen und Schweden mit risgrøt beziehungsweise risgrynsgröt.
Die Sahne im Rezept wird meist damit erklärt, dass Reis im Zweiten Weltkrieg knapp war und der Milchreis gestreckt werden musste.
Quelle: Wikipedia, „Mandelgave“ und „Risalamande“. Ergänzend dänische Rezeptliteratur zum Weihnachtsdessert.
Bonusheft · Fakt 7 · YEAH!
Zwei ziehen, einer gewinnt
Das Knallbonbon, englisch Christmas cracker, geht auf den Londoner Bäcker und Konditor Tom Smith (1823 bis 1869) zurück. In Paris hatte er den französischen Brauch gesehen, Zuckermandeln in gedrehtes Papier zu wickeln und einen Spruch beizulegen.
Diese Idee brachte er 1847 in seinen Laden in Clerkenwell mit und legte kleine Liebesbotschaften bei. Verkauft wurden die ersten unter dem Namen Cosaques.
Der Knall kam später dazu. Der Überlieferung nach kam ihm der Einfall, als er zu Hause ein Scheit ins Feuer warf. Das Verfahren meldete er 1847 an und verbesserte es in den 1860er Jahren. Die Papierkrone führte erst sein Sohn Walter ein, nach Toms Tod.
Den Knall erzeugt ein schmaler Kartonstreifen mit einer reibungsempfindlichen Substanz, der beim Auseinanderziehen an einem zweiten vorbeischrammt. Seit 1910 beliefert das Unternehmen den britischen Königshof.
Quelle: Wikipedia, „Tom Smith (confectioner)“. Ergänzend Historic England, „How did sweets and fire lead to the invention of the Christmas cracker?“ und die Firmengeschichte auf tomsmithcrackers.co.uk.
Bonusheft · Fakt 8 · OOHH!
Zweimal Geschenke
Die Befana ist eine italienische Sagengestalt, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar Geschenke bringt, zusätzlich zur Bescherung an Weihnachten. Die kommt in Italien von Babbo Natale, dem Weihnachtsmann, in der Nacht auf den 25. Dezember.
Die Befana bringt am Dreikönigstag Süßigkeiten und Kleinigkeiten im Strumpf. Unartige Kinder bekommen Kohle, allerdings nie echte, sondern carbone dolce, eine schwarz eingefärbte Zuckermasse. Der Name Befana leitet sich von Epifania ab, dem Fest der Erscheinung des Herrn.
Der 6. Januar ist in ganz Italien gesetzlicher Feiertag und die Befana landesweit bekannt. Ursprünglich war sie aber vor allem in Mittel- und Süditalien verwurzelt; im Norden, etwa in Verona und Bergamo, bringt Santa Lucia am 13. Dezember die Geschenke. Mit dem 6. Januar endet in Italien die Weihnachtszeit.
Bei uns: Der Dreikönigstag ist in Österreich landesweit Feiertag, in Deutschland nur in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt, in der Schweiz in Schwyz, Uri, im Tessin und in Teilen Graubündens. Verbreitet sind das Sternsingen und, in der Schweiz, der Dreikönigskuchen mit der versteckten Königsfigur.
Quelle: Wikipedia, „Befana“ und „Heilige Drei Könige“. Feiertagsangaben nach den Regelungen der Bundesländer und Kantone.